Dreikönigstreffen 1709

Vinzenz Czech

Im Juli des Jahres 1709 kam es in Potsdam zur Zusammenkunft König Friedrichs I. in Preußen, Friedrichs IV. von Dänemark und Augusts des Starken. Von Dresden kommend statteten die beiden auswärtigen Monarchen ihrem preußischen Vetter einen Besuch ab, um ihn in eine gemeinsame politische und militärische Allianz gegen den König von Schweden einzubinden. Die während des Treffens diesbezüglich geführten Verhandlungen führten letztlich nicht zum erhofften Ergebnis und hatten für den weiteren Verlauf des so genannten Großen Nordischen Krieges auch nur geringe Bedeutung. Jedoch sorgte dieses, später als „Dreikönigstreffen“ bezeichnete Ereignis europaweit für Aufsehen. Die gleichzeitige Anwesenheit dreier Könige an einem Ort war in der barocken Welt der europäischen Höfe etwas derartig Außergewöhnliches, dass es im 17. und 18. Jahrhundert keine weitere Entsprechung findet.

Hintergründe

Der politische Hintergrund für das Dreikönigstreffen lag in dem Versuch Friedrichs IV. von Dänemark und Augusts des Starken begründet, Friedrich I. in ein militärisches Bündnis gegen Schweden einzubinden. Der seit 1700 ausgetragene Konflikt um die Vorherrschaft im Ostseeraum war bis dahin vor allem durch die Überlegenheit der schwedischen Armee unter ihrem König Karl XII. gekennzeichnet.

Brandenburg-Preußen war aufgrund seiner territorialen Lage in diesen Krieg involviert, versuchte allerdings, sich weitgehend neutral zu verhalten. Dänemark hatte schon im ersten Jahr der Auseinandersetzungen eine militärische Niederlage gegen Karl XII. hinnehmen müssen. Die schwedische Vorherrschaft gipfelte in der Besetzung Kursachsens im Spätsommer und Herbst des Jahres 1706. In dem von Karl XII. diktierten Frieden von Altranstädt musste August schließlich seine Absetzung als König von Polen anerkennen, behielt allerdings den königlichen Titel. Karl XII. setzte daraufhin den von einem kleinen Teil des polnischen Adels schon 1704 zum Gegenkönig gewählten Stanislaus Leszczynski als neuen Monarchen ein.

Die Lage begann sich zu ändern, als der schwedische König 1707 beschloss, den Konflikt gegen das im Osten erstarkende Zarenreich Peters I. auszuweiten.  Mit dem Abzug der schwedischen Truppen aus Sachsen ab dem Herbst 1707 und dem Ende der militärischen Besetzung intensivierte man dann auch in Dresden sofort die Bemühungen zur Wiedererlangung der polnischen Krone. Neben Russland war es vor allem das alte Bündnis mit Dänemark, welches von sächsischer Seite wieder erneuert werden sollte. Zu diesem Zweck lud August den dänischen König, mit dem er über seine Mutter zudem verwandtschaftlich verbunden war, im Januar 1709 zu einem direkten Besuch am sächsischen Hof ein.

Am 26. Mai 1709 langte König Friedrich IV. nach mehreren Verzögerungen aus Italien kommend endlich in Dresden an. Es begann nun eine Reihe von höfischen Festlichkeiten, die von ihrem Aufwand und ihrer programmatischen Ausgestaltung viele der bis dahin am sächsischen Hof stattgefundenen Veranstaltungen in den Schatten stellen sollten. Die politischen Gespräche zwischen beiden Monarchen waren von dem Ansinnen Augusts geprägt, Dänemark als Partner für die eigenen Pläne zur Wiedererlangung der polnischen Krone zu gewinnen und ein gemeinsames antischwedisches Bündnis zu schließen. Beiden Königen musste darüber hinaus an einer Einbindung des preußischen Königs in ihre Pläne gelegen sein.

Friedrich I. war über die Entwicklungen in Dresden durch seinen Gesandten Marschall von Bieberstein jederzeit informiert und hoffte, dass der dänische König auf der Rückreise nach Dänemark auch am Hof in Berlin Station machen würde. Vor dem Hintergrund der politischen Ambitionen entschieden sich Friedrich IV. und August der Starke dann auch, dem königlichen Vetter gemeinsam einen Besuch abzustatten.

Alle Seiten waren sich über die Einzigartigkeit der Zusammenkunft dreier Könige bewusst. Auch in Dresden ahnte man das Aufsehen, welches dieses Treffen in der augenblicklichen politischen Situation in ganz Europa erregen würde. Im Vorfeld mussten daher vor allem die Frage des Ortes der Zusammenkunft sowie sich abzeichnende Probleme des Zeremoniells gelöst werden. Sowohl Friedrich IV. als auch August der Starke hatten zunächst nicht vor, den preußischen König in dessen Residenz in Berlin besuchen. Nach einigen Kontroversen einigte man sich schließlich auf Potsdam als Austragungsort. In den Augen der Zeitgenossen erfüllte der Ort damals noch nicht die Funktion einer Residenz, sondern eher eines „Lusthauses“, wie es in den Quellen heißt. Die größte Schwierigkeit in zeremonieller Hinsicht bestand in der Regelung des ranggemäßen Verhaltens der drei Könige untereinander. Existierten doch keinerlei Präzedenzfälle bzw. Vorschriften darüber, wie drei Könige bei einem Zusammentreffen persönlich miteinander umzugehen hatten. Bislang schien dies jenseits aller Vorstellungen. Friedrich IV. und August verabredeten sich bezüglich der Fragen des ranggemäßen Umgangs miteinander daher bereits im Vorfeld des Treffens. Die zwei Könige einigten sich darauf, dass der Vorrang zwischen beiden tageweise wechseln solle, um somit die Schwierigkeiten von Beginn an zu begrenzen. Das Los sollte dabei über den ersten Tag entscheiden. Überdies verlangte man vom preußischen König, sie mit möglichst wenig zeremoniellem Aufwand („sans ceremonie“) zu empfangen.

Ablauf

Am späten Nachmittag des 2. Juli 1709 kamen die beiden Könige, jeweils nur mit einem überschaubaren Gefolge, in Potsdam an und wurden von Friedrich I. im Innenhof des Schlosses empfangen. (Abb. 1, 2) In den folgenden sieben Tagen fanden eine Reihe höfischer Festlichkeiten und Vergnügungen statt. Neben der gemeinsamen abendlichen Tafel (Abb.  3) waren dies die Aufführung von Komödien in der Orangerie, eine Jagd im Tiergarten jenseits der Havel sowie eine Fahrt mit der königlichen Lustjacht (Abb. 4) in das nahegelegene Lusthaus Caputh (Abb. 5). Teile des Berliner Hofstaates waren dazu nach Potsdam beordert worden und auch zahlreiche auswärtige Beobachter verfolgten das Treffen vor Ort. Offensichtlich ist in diesen sieben Tagen jedoch wenig über politisch-militärische Fragen verhandelt worden, denn letztlich einigte man sich auf eine Ausdehnung und Verlängerung der Zusammenkunft.

Am Morgen des 9. Juli verließen die drei Könige Potsdam und begaben sich nach Oranienburg, allerdings ohne die Begleitung des Hofstaates. Im Oranienburger Schloss wurde schließlich ein Freundschafts- und Neutralitätsvertrag vereinbart, zu weitergehenden Zugeständnissen hatte sich der preußische König von seinen beiden Gästen nicht überreden lassen.

Am 11. Juli zogen die Könige weiter nach Charlottenburg und nach einer Übernachtung im Schloss kamen alle drei am 12. Juli letztlich doch nach Berlin. Die folgenden Tage waren geprägt von der Besichtigung der Residenz, einem gemeinsamen Mittagessen beim britischen Ambassadeur Lord Raby in dessen Haus sowie der Taufe der Enkelin Friedrichs I. in der Schlosskapelle. Am 3. Juli war die Kronprinzessin von einer Tochter entbunden worden, der späteren Wilhelmine von Bayreuth, und Friedrich I. hatte beide Könige überzeugen können, als Paten der Taufe der Prinzessin beizuwohnen. Darin liegt wohl auch der Grund, dass es überhaupt zu einer Ausweitung der Zusammenkunft bis in die Berliner Residenz kam, anfänglich wollten dies seine beiden Gäste unbedingt vermeiden. Bis auf gemeinsame abendliche Tafeln mit anschließendem Ball wurden darüber hinaus in Berlin keinerlei höfische Festlichkeiten organisiert. Der dänische König reiste ab Abend des 16. Juli ab, August der Starke einen Tag darauf.

Auswirkungen

Für den preußischen König ergab sich durch diesen ungewöhnlichen Besuch scheinbar eine einzigartige Möglichkeit, das nur wenige Jahre alte Königtum im Beisein zweier auswärtiger Monarchen aller Welt als anerkannt und gleichrangig zu präsentieren. Dies wurde von seinen Gästen allerdings von Anfang an nur beschränkt zugelassen. Mit Friedrich IV. von Dänemark, König August und Friedrich I. in Preußen trafen drei Monarchen aufeinander, die sich hinsichtlich der Charakteristik der Kronen auf ihren Häuptern deutlich voneinander unterschieden. So kamen mit Friedrich IV. und August dem Starken zwei Häupter alter, traditionsreicher europäischer Monarchien nach Potsdam, wobei Augusts augenblickliche Situation als abgesetzter polnischer König in diesen Tagen durchaus problematisch war. Noch schwieriger gestaltete sich die Einordnung Friedrichs I., der sich vor gerade einmal achteinhalb Jahren im Herzogtum Preußen eine Königskrone selbst auf das Haupt gesetzt hatte. Diese statusbildenden Unterschiede, die von der als am geringsten einzuschätzenden dynastischen Herkunft des Hohenzollern eher noch vergrößert wurden, spielten im Verhältnis der drei Monarchen untereinander mit Sicherheit eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Zwar hatten sowohl Dänemark als auch Polen die Rangerhöhung Friedrichs offiziell anerkannt, doch galt die preußische Krone in diesem Kreis ohne Zweifel als die traditionsärmste und daher im direkten Vergleich als die am niedrigsten einzustufende. Wohl auch aus Furcht vor einer Herabsetzung des eigenen Status in den Augen seiner Zeitgenossen beharrte vor allem Friedrich IV. daher gegenüber Friedrich I. zunächst ausdrücklich auf einer Zusammenkunft außerhalb der königlichen Residenz und ohne großes zeremonielles Gepränge.

Das Dreikönigstreffen war aus preußischer Sicht ohne Zweifel ein dynastisches Großereignis. Nie zuvor und auch nicht in der Folgezeit sollte sich eine derartige personelle Konstellation am Berliner Hof wiederholen. Aber es hatte in den veranstalteten Festlichkeiten und des dabei zur Schau gestellten repräsentativen Aufwandes keineswegs seine adäquate Entsprechung. Die in Potsdam, Oranienburg, Charlottenburg und Berlin organisierten höfischen Lustbarkeiten waren standesgemäß, jedoch wurde keineswegs aller Glanz aufgeboten, der Friedrich zur Verfügung stand. Schon gar nicht wurden die königlichen Gäste mit bis dahin in Brandenburg nicht gekannten Festen, Lustpartien, Galatafeln und Bällen beeindruckt, wie später in der Literatur regelmäßig betont wird. Und auch die demonstrative Prachtentfaltung ist keinesfalls als außergewöhnlich zu bezeichnen, vielmehr entsprach sie einem üblichen, eher alltäglichen höfischen Standard.

Das Zustandekommen des Treffens war in hohem Maße dem Zufall und der damaligen politischen Situation geschuldet. Auch wenn Friedrich I. mit dem dänischen König das Haupt einer alten europäischen Monarchie und mit August dem Starken den ehemaligen, augenblicklich abgesetzten polnischen König an seinem Hof begrüßen konnte, ließen sich seine beiden Gäste doch in keiner Weise für die eigenen Zwecke vereinnahmen. Vielmehr versuchten sie, eine prachtvoll inszenierte Zusammenkunft durch Friedrich von vornherein so weit wie möglich zu verhindern. Die Frage des Ortes und des Zeremoniells waren dabei die beiden entscheidenden Kriterien, die es ihnen erlaubten, als Gäste Einfluss auf die Ausgestaltung nehmen zu können. Auch vor dem Hintergrund der geplanten Aktionen gegen Schweden und der Wiedererlangung der polnischen Krone, für die Friedrich I. ja unbedingt gewonnen werden sollte, ließen sie sich zu keinen großen Zugeständnissen überreden.

Somit waren die Möglichkeiten auf preußischer Seite zur Darstellung der eigenen Königswürde vor einem zahlreich erschienenen Publikum von Beginn an äußerst beschränkt. August der Starke war darüber hinaus mit Sicherheit auch auf die Nachwirkung seiner gerade veranstalteten Festlichkeiten in Dresden während der Anwesenheit Friedrichs IV. bedacht, von denen man in ganz Europa sprach. Ihr Glanz sollte keinesfalls durch eine aufwändig inszenierte Zusammenkunft dreier Könige am preußischen Hof geschmälert werden. Friedrich I. erkannte die ihm durch seine beiden Gäste gesetzten Grenzen, versuchte jedoch auch, die sich ihm bietenden Freiräume im Rahmen der ihm verbliebenen Möglichkeiten zu nutzen.

Ohne Zweifel ist die Ausweitung des Treffens über Potsdam als Erfolg zu sehen. Durch den Ortswechsel wurde es nämlich möglich, beiden Königen die in den vergangenen Jahren aufwändig vorgenommenen Ausgestaltungen der Residenzlandschaft um Berlin direkt vorzuführen. Nie wieder sollte es in der Zukunft gelingen, einem Gast die unternommenen Anstrengungen in einer derartigen Breite darzubieten. Verhandelte man in Oranienburg noch, so scheint der Aufenthalt in Charlottenburg nur eingelegt worden zu sein, damit den beiden Königen die von Friedrich vorgenommenen Umbauten im Schloss seiner verstorbenen zweiten Gemahlin gezeigt werden konnten.

Neben der allgemeinen Wirkung der Schloss- und Gartenanlagen waren es vor allem die von Friedrich zum Teil prachtvoll ausgestatteten Gemächer samt ihrer Einrichtung, die er seinen Gästen präsentieren konnte. Sowohl in Potsdam als auch in Oranienburg, Charlottenburg und Berlin wurden die Könige in den vornehmsten und repräsentativsten Räumlichkeiten untergebracht. An dieser Stelle wird deutlich, wie eine über die Ausstattung vermittelte Botschaft einmal direkt an ihre Adressaten gelangte.

Aus politischer Sicht war die Zusammenkunft dagegen so gut wie ergebnislos verlaufen. Zum Zeitpunkt, als sich die Könige in Caputh am 8. Juli während einer Mittagstafel vergnügten, schlug das Heer des Zaren in den russischen Weiten die Armee Karls XII. bei Poltawa. Damit war eine völlig neue Situation entstanden, die nach ihrem Bekanntwerden alle Gespräche während des Treffens entscheidend relativierte. Noch im August überschritt daraufhin August der Starke mit einer sächsischen Armee die polnische Grenze und erlangte seine Wiedereinsetzung als König von Polen.

All dies war den unmittelbaren Zeitgenossen, die mit den zahlreichen Differenzierungen der damaligen höfischen Welt im Gegensatz zu uns noch vertraut waren, durchaus bewusst. Es erklärt den recht indifferenten Umgang mit diesem Ereignis von preußischer Seite. Das Treffen, so außergewöhnlich es auch war, ließ sich weder politisch noch dynastisch instrumentalisieren. Aufgrund der geschilderten Hintergründe und des Ablaufes war es nur bedingt einsetzbar zur Darstellung preußischer Magnifizenz. (Abb. 6, 7) Erst in den nächsten Generationen ging dieses Bewusstsein dann mehr und mehr verloren und die politisch bedeutungslose Zusammenkunft der drei Könige wurde in der Literatur wenigstens zu einem Höhepunkt höfischer Prachtentfaltung unter dem ersten König stilisiert.

Quellen

Relation, Von dem Was bey Hoher Ankunfft / Anwesenheit und Wiederabreise Des Königs von Dännemarck / Und Des Königs AUGUSTI Majest. Majest. In Potsdam und Berlin vom 1. Julii an / biß den 17ten vorgegangen. Zu finden bey Johann Andreas Rüdiger / Buchhändler unter dem Dohm. [Siehe: Hier]

Relation von der Ankunft in Potzdam und Berlin, der beyden Könige von Pohlen und Dennemarck. In: Hahn, Peter-Michael / Kiesant, Knut (Hrsg): Johann von Besser (1654-1729) Schriften. Band 4 Ergänzende Texte, Heidelberg 2010, S. 356-376.

Literatur

Czech, Vinzenz: Das Potsdamer Dreikönigstreffen 1709. Möglichkeiten und Grenzen höfisch-dynastischer Selbstdarstellung in Brandenburg-Preußen. Göttingen 2008.

Abbildungsnachweis

Abb. 1 - 4 Autor

Abb. 5 https://brandenburg.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=5276&cachesLoaded=true (CC-BY-NC-SA / Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte – Foto: Michael Lüder)

Abb. 6 https://brandenburg.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=7317&cachesLoaded=true (CC-BY-NC-SA / Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg – Foto: Roland Handrick)

Abb. 7 https://smb.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=175932&cachesLoaded=true (CC-BY-NC-SA / Münzkabinett – Foto: Reinhard Saczewski)

Empfohlene Zitierweise

Czech, Vinzenz: Dreikönigstreffen, publiziert am 09.09.2019; in: Historisches Lexikon Brandenburgs, URL: http://www.brandenburgikon.de (TT.MM.JJJJ)

Kategorien

Epochen: Absolutismus/Aufklärung
Themen: Adel - Ereignisse


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