huefnerhaus 1 Dia xl

Hüfner und "Hüfnerhaus" in Beeskow

Eine bäuerliche Gemeinschaft im Wandel der Zeit

Petra Beetz / Peter Riedel (Hrsg.)

unter Mitarbeit von Sascha Bütow

Vor den Toren der Beeskower Stadtmauer, in der Vorstadt Adriansdorf, befindet sich das zweitälteste Haus der Stadt Beeskow, das sogenannte „Hüfnerhaus“. Es ist unbekannt, wer dieses Haus errichtete und zuerst bewohnte, doch gehörte es zur Siedlung der „Hüfner“ („Hufenbauern“), einer bäuerlichen Gemeinschaft, die vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert Bestand hatte. Auch wenn vieles zur Geschichte der Hüfner und des Hüfnerhauses noch im Dunkeln liegt, bietet doch eine Vielzahl von Quellen Möglichkeiten, die Vergangenheit der Hüfner zu erkunden und zu rekonstruieren: ihr Leben und Erleben ebenso wie ihr Agieren und Reagieren im historischen Umfeld. Eine ehemals im Hüfnerhaus befindliche Ausstellung, die unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz-Dieter Heimann (Universität Potsdam) und Dr. Sascha Bütow entstand, präsentierte nicht die, sondern eine Geschichte der Hüfner. Ergänzend dazu liegen einige Materialien vor, die von Lehramtsstudierenden des Faches Geschichte im Sommersemester 2012 zusammengestellt und entwickelt wurden. Ihr Anliegen ist es, die Geschichte der Beeskower Hüfner als lokales Beispiel im Kontext regionaler und überregionaler Entwicklungen für den Unterricht, aber auch für Erkundungen am außerschulischen Lernort greifbar zu machen.

Obwohl die Ausstellung nicht mehr im Beeskower Hüfnerhaus zu sehen ist, eignet sich die Materialsammlung dennoch für den Einsatz im Unterricht. Drei der ehemaligen Ausstellungstafeln sind in die Teile A, B und C eingearbeitet worden. Die Materialien richten sich vor allem an Lehrerinnen und Lehrer, die mit ihren Schülerinnen und Schülern einen regionalen Zugang zu den hier angebotenen Themenfeldern „Bäuerliche Lebenswelten im Mittelalter“, „Zeit des Dreißigjährigen Krieges“ und „Gleichschaltung im Nationalsozialismus“ suchen. Die Lernumgebung ist in erster Linie für Lernende der höheren Jahrgangsstufen bzw. für leistungsstärkere Lerngruppen geeignet, kann aber bei entsprechender Anpassung von Aufgabenstellung und Material generell in jeder Klassenstufe der Sekundarstufen I und II eingesetzt werden. Jedes Dokument enthält neben einer Sammlung von Quellen, Darstellungen und Aufgabenvorschlägen auch fachdidaktische Hinweise für Lehrkräfte.

Teil A – Die Hüfner aus Adriansdorf – Vom Entstehen einer langlebigen Gemeinschaft

(Materialien zusammengestellt unter Mitarbeit von Nicole Markwart und Benita Schmitt)

Der erste Teil thematisiert im weitesten Sinne „Bäuerliche Lebenswelten im Mittelalter“. Im Fokus steht die Gründung der Hüfnersiedlung Adriansdorf. Dabei wird vor allem auf die Rechte und Pflichten eingegangen, welche die Gemeinschaft in jener Zeit innehatte bzw. erfüllen musste. Der methodische Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit Darstellungs- und Quellentexten sowie dem Umgang mit zeitgenössischen Bildquellen.

Teil B – „[was] wir arme leute unberichtet nicht laßen [können]“ – Die Beeskower Vorstädter im 30jährigen Krieg

(Materialien zusammengestellt unter Mitarbeit von Silka Rödl und Florian Stephan)

Teil B widmet sich der „Zeit des Dreißigjährigen Krieges“. Anhand historischer Schriftquellen aus dem Umfeld der ortsansässigen Bevölkerung werden die Auswirkungen der Kriegsjahrzehnte auf die Hüfner von Adriansdorf und das Beeskower Umland erarbeitet. Den historischen Kontext thematisieren unter anderem Darstellungstexte, Übungen im Umgang mit einer Geschichtskarte sowie die Analyse und Interpretation zeitgenössischer Gemälde.

Teil C – Einbindung in die „Volksgemeinschaft“ – Das Ende der „Ackerbürgervereinigung“ im Nationalsozialismus

(Materialien zusammengestellt unter Mitarbeit von Marian Golldack und Julian Münkel)

Der dritte Teil ordnet sich thematisch in den Bereich „Gleichschaltung im Nationalsozialismus“ im Jahr 1933 ein. Am Beispiel der Eingliederung der Beeskower Ackerbürgervereinigung kann dieser explizite Gleichschaltungsvorgang mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet und nachvollzogen werden. Methodischer Schwerpunkt ist dabei der Umgang mit historischen Zeitungsartikeln bzw. Zeitungsausschnitten.

Teil D – Sage und Wirklichkeit: Adriansdorf – Die Entstehung der Vorstadt

(Alexander Boltz und Wiebke Dziudzia)

In Teil D setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit der Re- bzw. Dekonstruktion von Geschichte auseinander, indem sie die Diskrepanz zwischen „Sage und Wirklichkeit“ der Gründungslegende von Adriansdorf untersuchen. Anhand (von Faksimiles) originaler Handschriften des 18. Jahrhunderts wird der Inhalt der Sage rekonstruiert und mit den historisch belegbaren Fakten abgeglichen. Die Gründung der Hüfnersiedlung im Mittelalter wurde in Teil A bereits inhaltlich berührt. Der Umgang mit den Handschriften erfordert gewisse Vorkenntnisse und Fertigkeiten. Daher sollte Teil D vor allem im Kontext von Projektarbeiten oder mit älteren Schülerinnen und Schülern verwendet werden.

Im Quellen- und Literaturverzeichnis befinden sich neben Quellenangaben auch Verweise auf weitere fach- und fachdidaktische Literatur.

Eine um Quellen und Darstellungen zur historischen Nutzung und zum zeitgenössischen Umgang mit dem Hüfnerhaus erweiterte Fassung wurde bereits in Form einer DVD veröffentlicht: Beetz, Petra /Riedel, Peter (Hrsg.): Hüfner und „Hüfnerhaus“ in Beeskow. Eine bäuerliche Gemeinschaft im Wandel der Zeit. Materialien für historisches Lernen in der Schule und vor Ort, Universität Potsdam (Audiovisuelles Zentrum / Professur für Didaktik der Geschichte) 2015.

Abbildungsnachweis

Abb. 1-5 Peter Riedel

Empfohlene Zitierweise

Beetz, Petra/Riedel, Peter (Hrsg.): Hüfner und „Hüfnerhaus“ in Beeskow - Eine bäuerliche Gemeinschaft im Wandel der Zeit, publiziert am 26.06.2018; in: Schule und Unterricht, URL: http://www.brandenburgikon.de (TT.MM.JJJJ)

 


Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok