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Zukunft braucht Herkunft - Untersuchungen zur Regionalgeschichte von Finsterwalde und der Niederlausitz

Einblicke in die Arbeit des Seminarkurses „Regionalgeschichte“

am Sängerstadt-Gymnasium in Finsterwalde

Birgit Neidnicht

Allgemeine Angaben

Schule

Sängerstadt-Gymnasium

Straße der Jugend 3

03238 Finsterwalde

Lehrerin des Seminarkurses „Regionalgeschichte“: Birgit Neidnicht

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Kooperationspartner

Sänger- und Kaufmannsmuseum

Lange Straße 6/8

03238 Finsterwalde

Tel.: 03531/501989; Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Stadtarchiv

Geschwister-Scholl-Straße 2

03238 Finsterwalde

Tel.: 03531/783302; Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Dokumentations- und Informationszentrum Torgau

Schloss Hartenfels

Schlossstr. 27

04860 Torgau

Tel.: 03421/713468; Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Menschenrechtszentrum Cottbus e.V.

Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus

Bautzener Str.140

03050 Cottbus

Tel.: 0355/290133; Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Unterstützer

Landkreis Elbe-Elster

Stadtverwaltung Finsterwalde

weitere Archive (BLHA, Bundesarchiv Berlin)

Gedenkstätte Kriegsgefangenen-und Speziallager Mühlberg

Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAkD)

Die Idee

Das verpflichtende Fach Seminarkurs wurde im Land Brandenburg mit dem Schuljahr 2014/15 an den Gymnasien eingeführt, um die Schüler*innen intensiver auf eine Berufsausbildung und insbesondere auf das Studium vorzubereiten. Diese haben sich für einen berufs- und studienorientierten oder einen wissenschaftspropädeutischen Seminarkurs zu entscheiden. Endlich bietet sich die Gelegenheit, dass Schüler*innen nach Spuren der Geschichte vor Ort „graben“ und die Forschungsergebnisse in einer schriftlichen Arbeit festhalten können. Im „normalen“ Geschichtsunterricht klaffen Anspruch und Machbarkeit bezüglich der historischen Projektarbeit oft weit auseinander.

Somit erklärte ich mich bereit, einen wissenschaftspropädeutischen Kurs zur Untersuchung von Regionalgeschichte an meiner Schule anzubieten, ohne konkret zu wissen, worauf ich mich einlasse. Der Zeitaufwand, um diesen Kurs organisatorisch vorzubereiten sowie die Schüler*innen methodisch und fachlich kompetent zu betreuen, steht eigentlich in keinem Verhältnis zur Unterrichtszeit von nur zwei Wochenstunden. Doch die Erfahrungen als Tutorin beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten erleichterten den Einstieg.

Die Idee, zu einem Rahmenthema passende „Unterthemen“ zu finden, klingt immer plausibel und logisch. Doch würde dies auch für meinen Kurs in einer Kleinstadt wie Finsterwalde funktionieren? Vieles sprach dagegen. Schon allein für jeden Schüler einen historischen Fall mit gesicherter Quellenlage zu finden, erschien unmöglich. Schließlich entschied ich mich gegen ein übergreifendes Kursthema, aber für einen bunten Strauß unterschiedlicher Fragen an die Regionalgeschichte.

Somit erhielten die Schülerinnen und Schüler eine großen Spielraum bezüglich der eigenen Themenfindung. Genau an diesem Punkt wären die meisten Schüler ohne Unterstützung völlig überfordert. Um ihnen den Einstieg in die historische Projektarbeit zu erleichtern, stellte ich ausgewählte historische Ereignisse bzw. Persönlichkeiten unserer Region dar, ordnete diese in den Zeitstrahl ein und entwickelte eigene Fragen an die Geschichte. Gleichzeitig erfuhren die Schüler*innen, welche historischen Forschungsschwerpunkte die Institutionen der Region (Museum, Gedenkstätte, Archiv) bearbeiten. Z.B. erzählte ich vom Speziallager Nr. 1 bei Mühlberg in den Jahren der SBZ sowie dessen Geschichte in den folgenden Jahrzehnten. Eine mögliche Frage an die Geschichte: Speziallager Mühlberg: Schweigen – Vergessen – Erinnern? (Wandel in der Erinnerungskultur). Nun begann für meine Kursteilnehmer*innen die Suche nach einem historischen Fall in den Museen, in den eigenen Familien, in den christlichen Gemeinden. Nur wenige Schüler*innen waren bisher auf meine Themenvorschläge angewiesen.

Inzwischen unterrichte ich schon den fünften Seminarkurs. Einige der bisherigen Seminararbeiten bzw. deren Präsentationen trafen auf reges Interesse der Finsterwalder Öffentlichkeit (siehe dazu die Artikel in der Lausitzer Rundschau / Link oben in der nebenstehenden Box). Die enge Zusammenarbeit mit den Schüler*innen sowie mit den Kooperationspartnern, die fachliche und methodische Progression der Schüler, die Vielschichtigkeit der historischen Themen und viele gelungene Seminararbeiten entschädigen für den enormen Arbeitsaufwand.

Vorstellung und Kurzbeschreibung für die Schüler*innen in Klasse 10

„Habt ihr euch schon einmal gefragt, was eure Familienmitglieder am Tag des Mauerbaus oder Mauerfalls oder anderen wichtigen Zäsuren der Weltgeschichte gemacht, gedacht bzw. gefühlt haben. Die große Geschichte ist oft näher als ihr denkt. Wir wollen nicht nur herausfinden, wo und wie uns Geschichte begegnet, sondern auch einen wissenschaftlich-kritischen Umgang mit ihr erlernen. Der Seminarkurs bietet euch einen großen inhaltlichen Spielraum für forschendes Lernen.

Noch können wir zu vielen Ereignissen Zeitzeugen befragen. Doch diese äußerst effektive Lernmethode wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Durch die historische Projektarbeit werdet ihr den Bezug zur Region intensivieren und das Handeln von historischen Akteuren in ‚der kleinen und großen‘ Geschichte beurteilen lernen.

Das weitgehend eigenverantwortliche Arbeiten an der Seminararbeit sowie das Training von Präsentationstechniken machen dich fit für die anspruchsvolle Ausbildung bzw. das Studium.“

(Birgit Neidnicht: Information der Schüler Klasse 10 über die Zielsetzung des Seminarkurses „Begegnungen mit Geschichte – Untersuchung von Regionalgeschichte“ 2017-2019, eigene Arbeitsunterlagen, Januar 2017.)

Projektentwicklung

Den Start eines neuen Seminarkurses empfinde ich selbst als eine spannende Geschichte. Werden die Schüler*innen die ungewohnten Herausforderungen eines zweijährigen Projekts meistern? Sind sie dafür vorbereitet und bereit? Die Recherche und das Studium von Quellen wird ein mühevoller und zeitaufwendiger Prozess sein. Man muss schon einiges in Erfahrung bringen, um überhaupt sein eigenes Thema anhand einer Leitfrage formulieren zu können. Die gewonnenen Erkenntnisse werden nach und nach wie ein Puzzle zusammengesetzt. Schließlich verfassen die Schüler*innen ihre Seminararbeit und verteidigen diese mittels erlernter Präsentationstechniken. Das ist der Plan. Im Folgenden fasse ich die methodischen und fachlichen Schwerpunkte der Arbeit mit meinen bisherigen Seminarkursen zusammen.

Kurshalbjahr und Arbeitsschwerpunkte

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Einführung SK: Selbsteinschätzung Kompetenzen, Vorstellen der Ziele des Kurses, gemeinsame Verabredungen u.a. bezüglich der Dokumentation des Arbeitsprozesses, Übersicht über mögliche Kooperationspartner

Methodenmodul: Die Arbeit mit Quellen (Recherchewege, Einordnung in den historischen Kontext, Quelle gefunden – und wie weiter?)

Themenfindung und Gewinnung von Kooperationspartnern: Besuch anderer Lernorte wie Sänger- und Kaufmannsmuseum, Stadtarchiv, Projekttag im Menschenrechtszentrum Cottbus oder DIZ Torgau (Schwerpunktsetzung: Arbeit mit Quellen, Zeitzeugeninterviews, Deutung und Wertung)

Methodenmodul: Wissenschaftliches Schreiben I: Planung, Recherche, Leitfrage, Themenformulierung, Plagiat

Konsultationen/Einzelgespräche zum Schwerpunkt: Themenfindung und Leitfrage

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Kurzpräsentationen aller Schüler*innen über ihren aktuellen Arbeitsstand (Thema, Leitfrage, Recherche, erste Erkenntnisse, Probleme, weiterer Zeitplan)

Methodenmodul: Wissenschaftliches Schreiben II: Gliederung, Einleitung, Literaturverzeichnis

Konsultationen/Einzelgespräche zu den Schwerpunkten: Formulierung des Themas, Gliederung, Einleitung, Literaturverzeichnis

Projekttag (Individuelle Arbeit der Schüler*innen)

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Methodenmodul: Wissenschaftliches Schreiben III: 1000 kleine Dinge (Anmerkungen und Co, computertechnische Kniffe ...)

Schreibprozess

Abgabe der Seminararbeiten (Oktober/November)

Methodenmodul: Präsentationstechniken

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Präsentationen, z.T. als öffentliche Veranstaltungen

Probleme bzw. Herausforderungen

Den Schüler*innen fällt es z.T. schwer, ihre Zeit zu managen. Ein Projekt über zwei Schuljahre gestattet kaum „Hauruckaktionen“, sondern erfordert oft ein neues Ordnungssystem sowie systematisches und kontinuierliches Arbeiten. Dies reflektieren die Schüler in ihren Portfolios. In manchen Beratungsgesprächen stelle ich fest, dass das Hauptproblem einiger Schüler*innen in der fehlenden Fähigkeit liegt, die großen Arbeitsetappen innerhalb der Qualifikationsphase einzuplanen. Sie schieben die notwendigen Arbeitsschritte wie eine Wand vor sich her und sind ratlos und unmotiviert. Hier hilft nur das gemeinsame Erstellen eines individuellen Zeitplans.

  • Regionalhistorische Inhalte werden „ausgegraben“. Einige Schüler entwickeln dabei vielleicht erstmalig ein tieferes Interesse an der lokalen und regionalen - „kleinen“ - Geschichte. Die Herausforderung besteht nun darin, die Puzzleteile zusammenzusetzen und im Rahmen der „großen“ Geschichte einzubetten. Dies geschieht nicht im Selbstlauf. Immer wieder kommen wir in den Gesprächen auf die jeweilige Leitfrage zurück. Das Seminararbeitsthema und die Leitfrage werden während des Arbeitsprozesses immer mehr geschärft und somit die Gliederung klarer strukturiert. Genau in diesem Bereich benötigen die Schüler individuelle Betreuung.
  • Es ist nicht für jeden Schüler selbstverständlich, auf Kooperationspartner und Zeitzeugen zuzugehen bzw. den Kontakt herzustellen und aufrechtzuerhalten. Im digitalen Zeitalter sind scheinbar wichtige Kommunikationskompetenzen verloren gegangen. Hinweise auf korrekte formale Briefe und Mails, freundliches und selbstbewusstes Auftreten scheinen manchmal erforderlich zu sein.
  • Die Arbeit mit Originalquellen im Archiv oder im Museum stellt einige Schüler*innen vor eine besondere Herausforderung. Schwer lesbare handschriftliche Quellen oder auch lange Texte in Originalzeitungen, die beim ersten Blick wenig mit dem eigenen Thema zu tun haben, können natürlich abschrecken . Die Mitarbeiter im Museum und im Archiv in Finsterwalde geben zielgerichtete Unterstützung, wenn die Schüler Interesse zeigen und im Notfall um Hilfe bitten. Dennoch, die Initiative liegt beim Schüler und das Studium der Quellen kostet Zeit und auch oft Überwindung.

Eine Auswahl der Seminararbeitsthemen

2015-17

Mai Ly Nguyen, Das Leben der Vertragsarbeiter im deutschen Paradies

[…] Mich beschäftigt daher die Frage, ob Ausländer in der vermeintlich antifaschistischen DDR mit solchen Ängsten leben mussten und ob ein gutes harmonisches Zusammenleben von Ausländern und DDR-Bürgern möglich war. Vor allem beziehe ich mich auf die Vietnamesen in der DDR, da mein Vater, Hung Nguyen, ebenfalls als Vertragsarbeiter in die DDR kam 1982. Daher ist diese Seminararbeit auch mit einem persönlichen Bezug verbunden. Ich konzentriere mich auf die Zeitspanne von 1970 bis 2000. Gleichzeitig untersuche ich, welche Veränderungen und Folgen die Wende für die Ausländer, speziell für die vietnamesischen Vertragsarbeiter, mit sich brachte. [...]

(Mai Ly Nguyen: Das Leben der Vertragsarbeiter im deutschen Paradies, Seminararbeit 2017, S. 2.)

Anna Kühne, Rückblick auf 127 Jahre kulturelle Vergangenheit im heutigen Haus der Freundschaft

[…] Welche wichtigen Erinnerungen teilt das Gebäude mit seinen ehemaligen Besuchern und Bewunderern noch heute? Wie haben die geschichtlichen Ereignisse das Haus geprägt und zu etwas Besonderem gemacht? [...]

(Anna Kühne: Rückblick auf 127 Jahre kulturelle Vergangenheit …, Seminararbeit 2017, S. 3.)

Tina Hänsch, Einfluss der DDR-Heimerziehung auf die Kinder

[…] Ich bin auf dieses Thema aufmerksam geworden, da mein Opa am Anfang der DDR selbst in einem Heim aufgewachsen ist und immer viel von seiner Zeit dort erzählt hat. Als uns in der Schule Frau Hilliger (LakD) besuchte und schilderte, wie die Zustände in den Spezialheimen waren, unterschieden sich ihre Ausführungen sehr von denen meines Opas. … Im Folgenden setze ich mich mit den Unterschieden zwischen den Heimformen auseinander. Dabei untersuche ich drei verschiedene Heimformen hinsichtlich Alltag, Regeln, Strafen und Belohnungen, Vorbereitung auf die Zukunft und mögliche psychische beziehungsweise physische Folgen. […]

(Tina Hänsch: Einfluss der DDR-Heimerziehung auf die Kinder, Seminararbeit 2017, S. 2.)

2016-18

Emma Liebscher, Kohlrübe statt Kartoffel?! Der Kohlrübenwinter 1916/17 in der Niederlausitz

[…] Wie entwickelte sich die soziale Lage in der Niederlausitz und wer kann heute für diese sozialen Missstände verantwortlich gemacht werden? Lässt sich eine deutliche Verschlechterung der sozialen Situation feststellen und steigen die Todeszahlen in der Niederlausitz?

Ich werde über den Kohlrübenwinter in der Niederlausitz und die Entwicklung der sozialen Lage berichten, da mich die geschichtlichen Ereignisse rund um meine Heimatregion extrem faszinieren und begeistern. […]

(Emma Liebscher: Kohlrübe statt Kartoffel!?, Seminararbeit 2018, S. 2.)

Tony Weggen, Der gute „Geist“ Finsterwaldes. Kommunalpolitik unter einem Bürgermeister zur Zeit der Weimarer Republik

[…] Wie sollte es ihm [Bürgermeister Geist] im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern gelingen, überwiegend ergebnisbringende Arbeit zu führen und insbesondere, welche Maßnahmen sollte er ergreifen, um Finsterwalde zu kommunalen Fortschritt zu führen [...]? Um diese Hauptfrage im umfangreichen Überblick zu beantworten, wähle ich drei Aufgabenschwerpunkte aus Geists Politik […]. (Eingemeindung von Nehesdorf, kommunaler Wohnungsbau, Finsterwalder Schulstreit) [...]

(Tony Weggen: Der gute „Geist“ Finsterwaldes ..., Seminararbeit 2018, S. 5.)

Ole Weber, Die Segelflugausbildung in der DDR und ihre Beeinflussung durch die Politik

[…] Speziell möchte ich in dieser Arbeit auf die Segelflugausbildung in der Zeit der DDR und den Einfluss der GST auf den Freizeitsport Segelflug eingehen. Im Sommer 2015 begann ich selbst auf dem Flugplatz Finsterwalde-Heinrichsruh meine Segelflugausbildung. Da ich durch meinen Großvater schon als Kleinkind Kontakt zum Flugplatz hatte, kannte ich diesen auch schon recht gut im heutigen Zustand. ... In meiner Seminararbeit möchte ich den Einfluss der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) auf den Flugplatz untersuchen. Außerdem habe ich den Vergleich zur heutigen Ausbildung und möchte mithilfe von Zeitzeugen betrachten, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es gibt. [...]

(Ole Weber: Die Segelflugausbildung in der DDR …, Seminararbeit 2018, S. 2.)

2017-19

Annika Dittrich, Die Film- und Kinogeschichte der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus - Ein Einblick in die Geschichte des Weltspiegel-Kinos Finsterwalde

[…] Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten bei der Schwerpunktsetzung bin ich auf die Film- und Kinogeschichte der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus gestoßen, in Bezug auf das regionale Kino in Finsterwalde. [...] Wie sah also die Film- und Kinowelt der Weimarer Republik aus, und wie veränderte sich diese im Nationalsozialismus? [...]

(Annika Dittrich: Die Film- und Kinogeschichte …, Seminararbeit 2019, S. 2.)

Marie-Luise Jerichen, Der Einfluss der Industrialisierung auf Finsterwalde von 1871-1913 - 42 Jahre voller Veränderungen

[…] Ich möchte nun genauer darauf eingehen, warum sich ausgerechnet in der kleinen Stadt Finsterwalde solch positive und große Veränderungen während der Industrialisierung vollzogen haben. Wie konnte solch eine Provinzstadt diesen Sprung zwischen Klein- und Industriestadt schaffen? [...]

(Marie-Luise Jerichen: Der Einfluss der Industrialisierung auf Finsterwalde, Seminararbeit 2019, S. 4.)

Marie-Sophie Glöckner, Eine Reise ohne Rückkehr – Die Flucht und Vertreibung in den ehemaligen Kreis Luckau

[…] Das Hauptziel der vorliegenden Seminararbeit ist, die Beantwortung der Frage, ob die betroffenen Männer, Frauen und Kinder eine neue Heimat in den jeweiligen Orten gefunden haben bzw. ob der jeweilige Ort als Heimat empfunden wird. [...]

(Marie-Sophie Glöckner: Eine Reise ohne Rückkehr …, Seminararbeit 2019, S. 3.)

Klara Weber, Stadthalle Finsterwalde – Investition in die Zukunft?

[…] Diese Facharbeit thematisiert die Kontroverse um die Stadthalle in Finsterwalde, welche die Bürger Finsterwaldes so weit spaltete, dass es zu einem Bürgerbegehren und sogar einer Klage der ortsansässigen SPD kam. Wie aber kam es dazu und warum soll in Finsterwalde überhaupt eine Stadthalle auf einer baufälligen Ruine entstehen? [...]

(Klara Weber: Stadthalle Finsterwalde – Investition in die Zukunft?, Seminararbeit 2019, S. 2.)

Ergebnisse

Die bisherigen Seminararbeiten weisen natürlich Differenzen im Niveau auf. Ich bin dennoch auf jede Schülerin und jeden Schüler stolz, wenn die Arbeitsphase mit Erfolg durchgestanden wurde und das Ergebnis fristgemäß vorliegt. Niveauunterschiede zeigten sich oft bei der Stringenz der Leitfragenorientierung, in der sprachlichen Darstellung oder in der Berücksichtigung der vereinbarten Formalien.

Die meisten Präsentationen der Forschungsergebnisse finden im Rahmen des Seminarkurses im Fachraum der Schule statt. Die Schülerinnen und Schüler, die eine sehr gute Seminararbeit geschrieben haben, bitte ich, im Museum eine Abendveranstaltung für die Öffentlichkeit zu gestalten. Natürlich nehmen auch alle Seminarkursschüler teil. Diese zollen ihren Mitschülern großen Respekt, denn die zahlreichen interessierten Besucher erhöhen den Stressfaktor spürbar. So äußerte sich Annika nach ihrer öffentlichen Präsentation im Januar 2019, dass sie jetzt keine Angst mehr vor den künftigen Abiturprüfungen haben wird, denn dieser Auftritt war das Aufregendste, was sie bisher geleistet hat.

Ich möchte Geschichtslehrer*innen an Gymnasien ermutigen, dem historischen Forschen im Rahmen eines Seminarkurses eine reale Chance zu geben.

Angaben zur Finanzierung

Der Landkreis Elbe-Elster unterstützt die Seminarkurse im Elbe-Elster-Kreis, indem anfallende Fahrkosten für Exkursion des Kurses in 11/1, aber auch einzelner Schüler übernommen werden. Die Stadtverwaltung Finsterwalde finanziert das Drucken und Binden der gelungenen Seminararbeiten. Diese finden schließlich im Stadtarchiv einen würdigen Platz.

Abbildungsnachweis

Abb. 1 Lausitzer Rundschau (Foto: Robert Pötzsch)

Abb. 2 Lausitzer Rundschau (Foto: Jürgen Weser)

Abb. 3 https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lausitz_Luftsport-_%26_Techniktage_2013-Rueckflug_by-RaBoe_056.jpg (CC-BY-SA-30, Foto: Ra Boe)

Abb. 4 Museumsverbund Elbe-Elster

Empfohlene Zitierweise

Neidnicht, Birgit: Zukunft braucht Herkunft - Untersuchungen zur Regionalgeschichte von Finsterwalde und der Niederlausitz, publiziert am 12.08.2019; in: Schule und Unterricht, URL: http://www.brandenburgikon.de (TT.MM.JJJJ)

 


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