Wäschereimaschinenfabrik Rumsch & Hammer, Forst

Vinzenz Czech

Die Anfänge der Forster „Wäschereimaschinenfabrik Rumsch & Hammer“ gehen zurück auf eine am 5. Juli 1887 in der Amtstraße von Emil Rumsch und Oswald Hammer gegründete Maschinenbauanstalt und Reparaturwerkstatt. Aufgrund der außerordentlichen Entwicklung der Textilwirtschaft in Forst stellte der Betrieb in den ersten Jahren vor allem Muldenpressen, Zentrifugen und andere Maschinen her (Abb. 1).

Um die Jahrhundertwende erlangte die maschinelle Wäschebehandlung in Deutschland größere Bedeutung. In diese Richtung gingen schließlich auch die Bemühungen der Inhaber um ein neues Produktionsprofil, denn nach einer Überschwemmung der Fabrik im Jahr 1897 waren fast sämtliche Modelle für Textilmaschinen verloren gegangen (Lummerzheim 1925, 66).

Ab 1897 ging man daher über zur Produktion von Wäschereimaschinen. Der Bau der ersten Modelle erfolgte noch nach dem Muster amerikanischer Vorbilder, die in dieser Zeit vorwiegend eingeführt wurden und den Markt beherrschten. Es handelte sich dabei um große Maschinen für Waschanstalten, Krankenhäuser, große Hotelbetriebe etc. Ein erstes eigenes Modell war eine Universal-Muldenplättmaschine zum Plätten und Glänzen von Kragen und Manschetten. Mehrere Patente sicherten den Absatz über viele Jahre.

Eigene Ingenieure entwickelten in der Folge kleinere Maschinen für den Einzelhaushalt, Pensionen oder kleine Hotels, die erfolgreich auf den Weltausstellungen in Brüssel und London sowie auf zahlreichen weiteren Ausstellungen präsentiert werden konnten (Abb. 2-4). Von nunmehr eigenen Patenten geschützt, setzte die Firma im Laufe der Jahre immer größere Mengen an Maschinen ab und erlebte vor dem Ersten Weltkrieg einen erheblichen Aufschwung. Ab 1907 wurden neben Wäschereimaschinen auch Bügelpressen, Muldenpressen, Zentrifugen und ganze Wäschereieinrichtungen produziert (Abb. 5-9). Die Anzahl der Arbeiter wuchs in dieser Zeit auf etwa 400. Ein Viertel bis ein Drittel der Gesamtproduktion der Firma gingen in den Export in alle Welt, der über eigene Handelsvertreter organisiert wurde (Lummerzheim 1925, 66).

Schon vor dem Ersten Weltkrieg fertigte „Rumsch & Hammer“ auch Heereswäschereimaschinen. Während des Krieges wurde die Produktion zum Teil eingestellt und dafür Kranken- und Bagagewagen hergestellt, im weiteren Verlauf auch Granathülsen.

Die Kriegsfolgen samt Inflationsjahren sorgten für eine zwischenzeitlich starke Einschränkung der Produktion. Jedoch erholte sich die Firma im Laufe der 1920er Jahre recht bald und 1925 konnte der Betrieb durch die Fertigstellung einer eigenen Gießerei in der Weststraße erweitert werden. Die notwendigen Facharbeiter kamen dazu aus dem schlesischen Bunzlau. Damit war der Betrieb nun unabhängig von anderen Gießereien geworden.

Erfolg brachte der Firma auch die Übernahme eines Großauftrages an Bügelpressen. Hergestellt nach amerikanischem Muster unter Hilfe eines deutschen Vertreters der Firma wurden sie unter dessen Namen als „Hoffmann-Pressen“ bekannt.

1926 verstarb der Firmengründer Emil Rumsch bei einem Autounfall. Die Firma übernahmen in der Folge seine vier Söhne. Die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre brachte erhebliche Einschränkungen mit sich. Die Arbeit in der Gießerei musste eingestellt und die Belegschaft auf ein Viertel reduziert werden (50 Jahre 1937).

In den 1930er Jahren normalisierte sich die Auftragslage und die Firma versorgte wieder Hotels und Krankenhäuser mit Wäschereimaschinen. Darüber hinaus profitierte man auch von Aufträgen aus dem Militär für die Lieferung von Heereswäschereien. Bei ihrem 50jährigen Bestehen 1937 konnte das Unternehmen auf die Herstellung und Lieferung von etwa 12.000 Plätt- und Muldenmangeln, 6.400 Zentrifugen, 9.000 Waschmaschinen und 970 Zylinder-Dampfmangeln zurückblicken (50 Jahre 1937).

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Besetzung von Forst durch die Rote Armee im April 1945 waren große Teile der Stadt zerstört. Auch der Hauptbetrieb der Firma in der Amtstraße war davon betroffen, die Gießerei in der Weststraße dagegen nur zum Teil. Verbliebene Mitarbeiter versuchten hier einen zögerlichen Neubeginn. Die Enteignung der alten Besitzer erfolgte schließlich im April 1948 und der Betrieb ging auf im neugegründeten „VEB Wäschereimaschinenbau Forst“.

Quellen

50 Jahre Rumsch & Hammer. In: Forster Tageblatt 3.7.1937.

Forster Wäschereimaschinenfabrik Rumsch & Hammer Forst (Lausitz). Jahrbuch 1914.

Literatur

40 Jahre Wäschereimaschinenbau Forst (Lausitz). Hrsg. von der Parteileitung des VEB Wäschereimaschinenbau Forst. 1988.

Lummerzheim, Wolfgang: Forst als Industrie- und Handelsplatz. Forst 1925.

Abbildungsnachweis

Abb. 1 Leipziger Monatschrift für Textilindustrie 31.5.1891.

Abb. 2, 3, 5-9 Jahrbuch 1914.

Abb. 4 Gemeinfrei.

Empfohlene Zitierweise

Czech, Vinzenz: Wäschereimaschinenfabrik Rumsch & Hammer, Forst, publiziert am 18.10.2023; in: Industriegeschichte Brandenburgs, URL: http://www.brandenburgikon.de (TT.MM.JJJJ)


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