Keltische Goldmünzen in Brandenburg

Marjanko Pilekić, Reinhold Schulz, Thomas Kersting

Auffindung

Dem Engagement eines ehrenamtlichen Denkmalpflegers ist zu verdanken, dass im Sommer 2017 ein nicht nur für das Land Brandenburg spektakulärer Fund gemacht wurde. Der Ehrenamtler Wolfgang Herkt entdeckte bei einer Ackerbegehung in Baitz am Rande des Hohen Flämings bei Brück mit Metallsonde elf größere und kleinere nahezu geprägelose Goldmünzen (Abb. 1), die sich als keltische „Regenbogenschüsselchen“ zu erkennen gaben. Das Fachamt stellte unter Stillschweigen eine Detektorgruppe zusammen, um über mehrere Vegetationsperioden den Fundplatz systematisch zu untersuchen – hier ist allen Beteiligten und auch dem Besitzer und Landwirt für ihre Geduld zu danken! Auf diesen ersten Fund folgten weitere, nun systematische Begehungen des Geländes, die am Ende insgesamt 41 glatte Regenbogenschüsselchen hervorbrachten. Mehrere Sondageschnitte wurden im Bereich der Fundstreuung dokumentiert und eine großflächige geophysikalische Prospektion durch die Uni Potsdam unternommen (Abb. 2, 3).

Bei den Arbeiten über mehrere Jahre konnten neben den weiteren Münzen aber auch zahlreiche Metallfunde, z.T. Importfunde der römischen Kaiserzeit, entdeckt und eine Siedlung der Jastorf-Kultur untersucht werden. Sie liegt am Fuße eines nach Westen ansteigenden Hanges, der in einer Kuppe endet, an der nördlichen Hangkante des Flämings zum Baruther Urstromtal, wo ein Bach die Kante schneidet, mit einem für Brandenburg markanten Höhenunterschied zwischen Hochfläche und Niederung von zehn Metern. Die im Planum dicht an dicht gelegenen Gruben – klassischen Speichergruben mit senkrechten Wänden und waagerechten Böden, die sekundär als Abfallgrube genutzt wurden – ergaben das typische Bild eines Siedlungsareals. Zudem konnte in Form eines kompakten Horizonts aus Brandlehm und Brandrückständen ein Ofen oder eine Brenngrube dokumentiert werden. Die Befunde erbrachten eine größere Menge meist unverzierter Gebrauchskeramik der Jastorf-Kultur aus dem letzten vorchristlichen Jahrhundert.

Die Münzen

Nicht nur das edle Metall, sondern auch die hohe Anzahl, die Zusammensetzung und die Lage machen den Fund zu etwas Besonderem. Es ist der zweitgrößte Hortfund glatter Regenbogenschüsselchen des Typus „Kellner V A“ der bisher entdeckt wurde. Auch die Vergesellschaftung von Voll- und Viertelstateren wurde bisher nur ein weiteres Mal dokumentiert und dies noch dazu in einem geographischen Raum weitab vom eigentlichen Verbreitungsgebiet der Regenbogenschüsselchen im Allgemeinen. Die Bezeichnung „Statere“ leitet sich ab von den antiken griechischen Vorbildern, welche die keltische Münzprägung erstmals zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. angeregt hatten, die „Schüsselform“ ist von der Seite gut sichtbar (Abb. 4).

Die zusammengetragenen Funde glatter Regenbogenschüsselchen von Michael Nick zeigen, dass das Hauptverbreitungsgebiet der Vollstatere in Bayern am Südufer der oberen Donau liegt. Es kommen ebenfalls Funde in Hessen zwischen Main und Lahn vor, westlich des Rheins in Beringen (Belgien) als auch Saint Louis (Schweiz) und in Thüringen. In Brandenburg war bisher nur ein Einzelfund eines glatten Regenbogenschüsselchens aus Paaren im Glien bekannt. Davon abweichend sind die Viertelstatere des Typs V A an der Tauber, Jagst und Kocher sowie zwischen Neckar und der Donau verbreitet, daneben existieren auch mehrere Funde südlich der Donau. Allgemein gesprochen waren bis zum Fund von Baitz weder Einzel- noch Hortfunde glatter Regenbogenschüsselchen nördlich des Mains entscheidend vertreten.

Der Fund besteht aus 41 Goldmünzen, davon sind 19 Vollstatere und 22 Viertelstatere, bildlose, „keltische“ Goldmünzen. Das Vorkommen von Voll- und Viertelstateren des Typs V A innerhalb eines Hortes war bisher nur für das Heidetränk-Oppidum bei Altenhöfe (Oberursel-Oberstedten) belegt, der aus neun Voll- und drei Viertelstateren bestand, jedoch bis heute unpubliziert blieb. Kennzeichnend für die anderen bekannten Horte ist, dass sie in der Regel keine Teilstücke enthalten, sondern ausschließlich aus Vollstateren bestehen, die mit Schmuckgegenständen wie Torques oder - wie der größte Hort glatter Regenbogenschüsselchen aus dem bayrischen Wallersdorf mit 365 Vollstateren des Typs V A - zusammen mit einem sogenannten boischen Viertelstater vergesellschaftet sind.

Unsere Münzen entsprechen dem Aussehen, das für den Typ V A charakteristisch ist: Die Vollstatere sind bildlos geprägt worden mit einem flachen, glatten Buckel auf der konvexen Seite, der von einem Ring umrahmt wird, jedoch nur selten zu sehen ist, da der Buckel zumeist mit dem Schrötlingsrand abschließt. Ganz am Rand dieser sogenannten „Prägezone“ weisen einige Stücke noch Prägereste in Form feiner Punkte auf, die an einen feinen Perlkreis erinnern. Darüber hinaus besitzen sie auch eine von Hans-Jörg Kellner „Nase“ bzw. von Bernward Ziegaus „Stempelnase“ genannt, die aus dem Buckel hinausläuft.

Besonders aufschlussreich ist die sogenannte, von Ziegaus definierte, „äußere Prägenzone“ der Vorderseiten, die nicht Teil der eigentlichen „Bildzone“ des Stempels war, d.h. der konvexe Teil mit dem Buckel. Wie diese Spuren entstanden sind, ist nicht gänzlich geklärt, jedoch ist klar, dass sie während des Prägevorgangs entstanden sein müssen, da sie für alle 19 Vollstatere gleich sind und daher keine zufällige Erscheinung sein können, die beispielsweise bei der Herstellung der gegossenen Schrötlinge entstanden wäre (Abb. 5). Die leichten Abweichungen in der Beschaffenheit der äußeren Prägezone unter den Vollstateren deuten auf Rostspuren im Stempel hin, die sich im Laufe des Prägens „abnutzten“ und dadurch leicht veränderten. Für uns bietet diese äußere Prägezone die unschätzbare Erkenntnis, dass die eigentlich bildlosen 19 Vollstatere alle mit demselben Vorderseitenstempel geprägt wurden. Ganz im Gegensatz dazu lassen die konkaven Rückseiten keine Rückschlüsse über unterschiedliche Stempel zu, da sie nahezu makellos glatt sind und keine besonderen Herstellungsspuren aufweisen.

Auch die 22 Viertelstatere sind ebenfalls bildlos und besitzen eine konvexe Vorderseite, die eher als Wölbung, denn als Buckel beschrieben werden kann, die mit dem Münzrand abschließt. Signifikant ist bei den Viertelstateren eine schmale, unregelmäßige Struktur bzw. Wulst am Rand der Münzen, die bis zu 50 % des Umfangs bedecken kann. Hier handelt es sich entweder um ein noch unbekanntes Motiv oder eher um ebenfalls die äußere Prägezone (Abb. 6). Auch in diesem Fall ist es möglich zu sagen, dass nur ein einziger Vorderseitenstempel genutzt wurde, auch wenn sich die Struktur im Laufe der Zeit deutlicher verändert hat als bei den Vollstateren, was mit einer höheren Prägezahl zusammenhängen könnte. Die glatten Rückseiten sind wie bei den Vollstateren konkav und bieten keine weiteren Anhaltspunkte, außer bei drei Münzen, die leicht erhabene Stellen aufweisen und auf einen Stempelschaden hindeuten.

Es lässt sich daher konstatieren, dass sowohl die Voll- als auch die Viertelstatere im vorliegenden Fund nur mit einem Vorderseitenstempel geschlagen wurden.

Die Vollstatere haben einen Durchmesser von 19–20 mm und ein Durchschnittsgewicht von 7,28 g, wobei das leichteste Stück 6,89 g wiegt und das schwerste 7,62 g. Die Viertelstatere haben einen Durchmesser von 13–14 mm und das Durchschnittsgewicht von 1,82 g, wobei die leichteste Münze 1,75 g wiegt und die schwersten Münzen 1,87 g wiegen. Damit entspräche der Rechnungsstater mit 7,28 g genau dem Durchschnittsgewicht der Vollstatere im Hort. Vorbehaltlich der metallurgischen Untersuchungen, die noch folgen werden, kann die Entstehungszeit der Münzen innerhalb der von Bernward Ziegaus etablierten dritten bzw. am Übergang zur vierten und letzten Prägephase der Regenbogenschüsselchen liegen, also während Latène D1 zwischen 125/115–50/30 v. Chr. bis zur Grenze zu D2 ab 50/30 v. Chr. Die Grabungsfunde, die in der direkten Umgebung gemacht wurden, stammen allesamt aus der Spätlatènezeit, d.h. dem letzten vorchristlichen Jahrhundert und widersprechen einer Niederlegung der Goldmünzen in der Zeit zwischen ca. 100 und 30 v. Chr. nicht, auch wenn der genaue Zeitpunkt nicht bestimmt werden kann.

Direkte Stempelverbindungen zu anderen bekannten Horten konnten bisher noch nicht gefunden werden. Ein jedoch erst kürzlich entdeckter, unpublizierter und dankenswerterweise von Axel G. Posluschny an uns herangetragener Vollstater des Typs V A aus der Nähe von Nidderau (Hessen) ergänzt den sensationellen Fund aus Brandenburg um ein weiteres Puzzleteil. Mit einem Durchmesser von 19 mm und dem Gewicht von 7,18 g reiht sich der Vollstater unter die leichteren unseres Fundes. Ausschlaggebend ist jedoch die höchstwahrscheinlich stempelgleiche Vorderseite mit denselben prägnanten Spuren im Bereich der äußeren Prägezone. Die Publikation des hessischen Vollstaters ist in der hessenArchäologie erscheinen.

Die bisher 41, mit dem Paarener Stück 42 Regenbogenschüsselchen, Vollstatere und Viertelstatere, sind der bei weitem größte Fund keltischer Münzen, der in Brandenburg und überhaupt in den „neuen Bundesländern“ entdeckt werden konnte, die Gesamtzahl bekannter Münzen verdoppelt sich damit fast.

Leider konnte an der Fundstelle kein „Konzentrationskern“ ausgemacht werden, die Verteilung der Münzen spricht eher für einen seit Jahrhunderten „zerpflügten“ Schatzfund, der möglicherweise auch durch den Aushub für den Bau eines Silos in der unmittelbaren Umgebung mit den Erdmassen auf den Acker kam. Ein Behältnis, das die Münzen enthalten haben könnte, wurde nicht entdeckt.

Schluss

Der Fund darf als numismatische (und archäologische!) Sensation bezeichnet werden. Durch die Untersuchung des Horts können neue Erkenntnisse zur Chronologie sowie der Verbreitung dieses Münztyps gewonnen und ein Licht auf die weitreichenden Netzwerke des frühgeschichtlichen Europas geworfen werden. Die Untersuchungen des Hortes sind noch nicht abgeschlossen, eine metallurgische Analyse der Münzen würde einen Vergleich mit den bedeutenden Funden von Beringen und Wallersdorf, aber auch dem stempelgleichen Stück aus Nidderau ermöglichen. Dies könnte Hinweise zum Prägeort geben, der bis heute nicht lokalisiert werden konnte. In diesem Zusammenhang wäre auch eine mikroskopische Untersuchung der Oberfläche der Münzen aufschlussreich. Denn die Existenz von Platinoideinschlüssen auf der Oberfläche könnte für die Herkunft des Edelmetalls aus dem kleinasiatischen Raum sprechen, was zum Beispiel bereits von Ziegaus bei einem Teil der Regenbogenschüsselchen aus Wallersdorf festgestellt wurde. Auch ein solcher Befund kann ein entscheidendes Puzzleteil bei der Frage des Prägeorts der Münzen sein und den bis dato ungeklärten Herkunftsort der glatten Regenbogenschüsselchen des Typs V A aufklären helfen.

Die erste Untersuchung des neuen Hortfundes zeigt ein sehr homogenes Bild, das darauf deutet, dass der Hort nicht über längere Zeit aus verschiedenen Quellen angesammelt wurde. Im Kontext der mittel- und spätlatènezeitlichen Goldhorte gehört er in das weitläufige Beziehungsgefüge, das sich durch die verschiedenen Funde in Mittel- sowie Teilen von Ost- West- und auch Südeuropa ausdrückt. Direkte Verbindungen in Form von Stempelverbindungen zu anderen Horten konnten vorerst nicht nachgewiesen werden. Doch ist aufgrund der Homogenität, die sich in den Stempelidentitäten der Münzen des Hortes untereinander zeigt sowie der Zusammensetzung aus nur einem Typ (V A) und in nicht erkennbaren Umlaufspuren, eine recht geradlinige Übertragung vom Ursprungsort zum Empfänger anzunehmen. Durch welche Art von Beziehung eine solche Verbindung zustande kam, durch eine größere Handelstransaktion, diplomatische Geschenke, freundschaftliche Beziehung oder eine geschlossene Soldzahlung, lässt sich nicht seriös beurteilen. Auch ob die Art der Niederlegung profan oder sakral begründet war, muss offenbleiben. Die Auffindung in einer Siedlung sowie das Fehlen anderer Wertgegenstände lassen zunächst nicht auf eine sakrale Niederlegung schließen. Die frühgermanischen Träger der Jastorf-Kultur am Hohen Fläming erhielten Goldmünzen in erheblichem Wert, was für ihre überregionale Bedeutung mit weitreichenden Fernkontakten spricht. Die Untersuchungen zu diesem hierzulande einzigartigen Schatzfund, der Klärung seiner Herkunft, seines Importweges, aber auch seiner Empfänger, stehen erst am Anfang.

 

Der Beitrag erschien unter dem Titel: M. Pilekić / R. Schulz / T. Kersting: Keltische Regenbogenschüsselchen in Brandenburg - Ein Münzfund von Baitz, Lkr. Potsdam-Mittelmark. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg 2020. Darmstadt 2022, S. 57-60.

Literatur

Castelin, Karel O. / Kellner, Hans-Jörg: Die glatten Regenbogenschüsselchen. In: Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte 13 (1963), S. 105–130.

Kellner, Hans-Jörg: Der keltische Münzschatz von Wallersdorf. München 1989.

Kellner, Hans-Jörg: Die Münzfunde von Manching und die keltischen Fundmünzen aus Südbayern (= Die Ausgrabungen in Manching; 12). Stuttgart 1990.

Nick, Michael: Gabe, Opfer, Zahlungsmittel: Strukturen keltischen Münzgebrauchs im westlichen Mitteleuropa. 1. Text und Karten. 2. Katalog und Tafeln (= Freiburger Beiträge zur Archäologie und Geschichte des Ersten Jahrtausends; 12). Rahden 2006.

Pilekić, Marjanko: Celtic gold in Brandenburg – an unexpected find of 41 rainbow cups. Vortrag im Rahmen des 16. International Numismatic Congress, am 13.09.2022 in Warschau (Polen)

Posluschny, Axel: Gold vom Ende des Regenbogens – zu einem jüngerlatènezeitlichen Regenbogenschüsselchen aus Nidderau-Ostheim, Main-Kinzig-Kreis. Fundberichte Hessen Digital 2021/2022. [Siehe: Hier]

Ziegaus, Berward: Der Münzfund von Großbissendorf. Eine numismatisch-historische Untersuchung zu den spätkeltischen Goldprägungen in Südbayern (= Ausstellungskataloge der Prähistorischen Staatssammlung; 27). München 1995.

Ziegaus, Berward: Boische Münzen in Süddeutschland? Fremde Prägungen mit überregionaler Gültigkeit? In: Karwowski, Maciej / Salač, Vladimir / Sievers, Susanne (Hrsg.): Boier zwischen Realität und Fiktion: Akten des internationalen Kolloquiums in Český Krumlov vom 14.-16.11.2013. (= Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte; 21). Bonn 2015, S. 355–374.

Abbildungsnachweis

Abb. 1, 4 Th. Kersting.

Abb. 2, 3 R. Schulz.

Abb. 5, 6 M. Pilekić.

Empfohlene Zitierweise

Pilekić, Marjanko / Schulz, Reinhold / Kersting, Thomas : Keltische Goldmünzen in Brandenburg, publiziert am 12.10.2023; in: Historisches Lexikon Brandenburgs, URL: http://www.brandenburgikon.de (TT.MM.JJJJ)

Kategorien

Epochen: Ur- und Frühgeschichte
Themen: Archäologie und Siedlung


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