Ardeltwerke GmbH, Eberswalde

Julian-Dakota Bock

Im Jahr 1902 gründete Robert Ardelt (1847-1925) mit dem „Technischen Industrie-Bureau“ in Eberswalde den ersten Maschinenbaubetrieb der Region. Bereits im darauffolgenden Jahr übernahm sein Sohn Paul Ardelt die kaufmännische Leitung des Betriebes. Sein Bruder Max Ardelt leitete zusammen mit seinem Vater ab 1904 das Ingenieurbüro. In der Anfangszeit zählte v.a. die technische Ausstattung für Betriebe der Ziegelei- und Holzindustrie sowie der Landwirtschaft zu den Leistungen des Familienunternehmens. Darüber hinaus widmete man sich der Installation von Küchen und Sanitäranlagen. Die kleine Werkstatt genügte den wachsenden Anforderungen an das Unternehmen schon bald nicht mehr, weshalb die Ardelts das Grundstück einer stillgelegten Essigfabrik in der Eisenbahnstraße für 28.000 RM erwarben. Auf dem neuen Werksgelände fand sich genug Platz für eine Schmiede, eine Schlosserei sowie eine Dreherei. Bald darauf erweiterte das Unternehmen sein Angebot um den Bau von Kränen, Baggern, Dampfmaschinen, Motoren und Kesseln. Auch komplette Produktionsanlagen wurden von der Firma errichtet. Im September 1904 wurde der Betrieb in eine Handelsgesellschaft mit dem Namen „R. Ardelt & Söhne Maschinenfabrik OHG“ umgewandelt.

Das Aufkommen des Stahlbaus stellte eine wichtige Grundlage für den Aufstieg der Firma dar. So beteiligte man sich am Bau des Hohenzollernkanals ab 1906 mit der Fertigung einer Brücke. Ein weiterer wichtiger Abnehmer für die Stahlkonstruktionen waren die „Märkischen Elektrizitätswerke“ (MEW).

Auch das 1907 von Robert Ardelt jr. beantragte Patent für eine Rohrstampfmaschine erwies sich für die weitere Entwicklung der Firma als äußerst bedeutsam. Diese wurde mit Exporten in die USA und Schweiz sowie nach Kanada, Frankreich, Russland und China zu einem der weltweit führenden Unternehmen für Rohrguss-Technologie. Die wirtschaftliche Expansion der Firma war jedoch nur durch eine begleitende räumliche Erweiterung möglich. Aus diesem Grund kaufte man 1911 ein Gelände an der Heegermühler Chaussee mit einer Gesamtfläche von 155 000 m2, welches 1912 um einen Gleisanschluss erweitert wurde. Zu diesem Zeitpunkt verfügte das Werk über 171 Mitarbeiter (Abb. 1).

Ab Oktober 1911 standen die drei Söhne des Firmengründers Max, Paul und Robert Ardelt jr. gleichberechtigt als Geschäftsführer an der Spitze des in „R. Ardelt & Söhne GmbH, Maschinenfabrik, Civilingenieure“ umbenannten Unternehmens. Als 1913 auch Rudolf Ardelt in den Gesellschaftsvertrag der Firma aufgenommen wurde, änderte man deren Namen in „Ardeltwerke GmbH“ ab.

Bis 1914 blieb der Gießereimaschinenbau die wichtigste Einnahmequelle der Ardeltwerke, jedoch wurden bereits in dieser Zeit durch die Ausstattung der Werkshallen wichtige Erfahrungen mit dem Kranbau gesammelt. Während des Ersten Weltkrieges stand allerdings zunächst die Rüstungsproduktion im Vordergrund. So produzierte man Kriegsgeräte, Munition und ab 1917 auch Giftgasgeschosse für die Front. Gleichzeitig versorgte das Unternehmen andere kriegswichtige Industrien mit der benötigten technischen Ausrüstung. Dabei handelte es sich primär um Verladebrücken und Kräne. Aus diesem Grund nahm der Kranbau bei Kriegsende einen Großteil der Produktionskapazitäten in Anspruch (Abb. 2). Da die Anzahl der Beschäftigten bis 1917 auf 2.343 angestiegen war, bauten die Ardeltwerke ab 1918 eine Werksiedlung am Ostrand des Firmengeländes. Nach Fertigstellung im Jahr 1919 wurden diese Häuser allerdings nur von der Familie Ardelt und den höheren Angestellten genutzt.

Die unmittelbare Nachkriegszeit gestaltete sich als turbulente Phase der Unternehmensgeschichte. So kam es aufgrund der ökonomische Schwierigkeiten zu massiven Entlassungen im Werk. Gleichzeitig forderten die Arbeiter die Einführung einer 48-Stunden-Woche. Zu Gunsten des Betriebsfriedens entschied sich die Werksleitung dazu, diese Forderung zu übertreffen, in dem sie eine 46-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich einführte. Als es im September 1921 aufgrund der Forderungen nach einer Lohnerhöhung zum Arbeitskampf kam, nahm die Werksleitung diese Entscheidung jedoch zurück und führte die 48-Stunden-Woche ein. Dieser als „Großer Ardelt-Streik“ bekannte Konflikt konnte schlussendlich nur aufgrund eines staatlichen Schiedsspruches beigelegt werden.

Ab 1923 begann sich die ökonomische Lage im Werk zu stabilisieren und auch die Exporte nährten sich wieder dem Vorkriegsniveau an. In dieser Zeit wurde auch die Röhrengießerei erweitert und eine eigene Zahnradfabrik auf dem Betriebsgelände errichtet. Begünstigt war der Aufschwung der Zwischenkriegszeit nicht zuletzt durch die Reparationsleistungen Deutschlands an die Siegermächte des Ersten Weltkrieges, welche auch Produkte des Maschinenbaus beinhalteten. Dies ermöglichte eine Reihe umfassender Modernisierungen im Werk. So kam es 1925 zum Bau einer Aluminium-Gießerei, welche sich zu einer der leistungsfähigsten Leichtmetallgießereien Europas entwickelte (Abb. 3, 4).

In der Zwischenkriegszeit bauten die Ardeltwerke auch die Kranproduktion massiv aus. Einen ersten Schwerpunkt bildeten hierbei Laufkräne, welche primär von Eisenbahnwerkstätten und Betrieben der Schwerindustrie erworben wurden. In Unternehmen wie Thyssen oder Krupp kamen seit den 1920ern auch Hüttenwerkskräne aus Eberswalde zum Einsatz. Auch Häfen und Werften wurden mit Kränen des Familienunternehmens ausgestattet. Dabei fanden sich die Hauptabnehmer in Schweden, wo Ardelt bspw. die Häfen von Helsingborg, Malmö und Stockholm ausstattete. Der schwedische König bedachte die Kräne bei seiner Rede zur Eröffnung des Malmöer Hafens im Jahr 1922. Auch die Häfen von Hamburg, Stralsund, Kiel und Ludwigshafen wurden mit neuartigen Doppellenker-Wippkränen aus Eberswalde ausgestattet. Seit Mitte der 1920er stellte der Betrieb auch Autokräne her, welche u.a. von der Berliner Feuerwehr genutzt wurden. Kräne auf Schienen blieben jedoch weiterhin ein wichtiger Schwerpunkt der Produktion. Hauptabnehmer in dieser Sparte war die Reichsbahn.

Mit dem Wasserbau eröffnete sich ab 1927 ein weiteres Betätigungsfeld für die Ardeltwerke. So statteten diese das 1934 fertiggestellte Schiffshebewerk Niederfinow mit einem Dachkran aus. Auch an der Bleichlochtalsperre in Thüringen sowie dem Rügendamm beteiligte sich das Unternehmen. Die einsetzende Weltwirtschaftskrise seit 1929 sowie das Auslaufen des Young-Planes 1930 setzten dem Unternehmen jedoch massiv zu. Der Fortbestand des Betriebes wurde dabei von Aufträgen im Ausland gesichert. Eines der größten Projekte dieser Zeit war der Export von Gießereikränen in die Sowjetunion. Daneben beteiligte man sich am Aufbau eines Röhrenwerkes in Indien und lieferte Hafenkräne nach Südamerika (Abb. 5-7).

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 traten die Gebrüder Ardelt in die NSDAP ein und bekleideten fortan verschiedene Positionen. Vor diesem Hintergrund nahm das Unternehmen verschiedene Staatsaufträge an, bspw. die Ausstattung der Marinewerft in Wilhelmshaven. Gleichzeitig blieb die Reichsbahn einer der wichtigsten Kunden. An diese sowie an das Reichskriegsministerium wurden ab Mitte der 1930er auch die ersten Diesellokomotiven der Firma ausgeliefert. Der Motor stammte zwar von MAN und Deutz, beim Getriebe der Lokomotiven handelte es sich jedoch um das hauseigene „Ardelt-Getriebe“, welches 1933 vom Ingenieur Hugo Rambausek entwickelt worden war (Abb. 8). Diese zahlreichen Aufträge sorgten dafür, dass das Unternehmen sich nach Ende der Weltwirtschaftskrise schnell erholte und auch die Anzahl der Mitarbeiter von 1.200 auf 3.000 anwuchs. Im Jahr 1937 folgte die erneute Umwandlung in eine offene Handelsgesellschaft.

Ab der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre lag der Hauptfokus der Produktion auf Rüstungsgütern (Abb. 9). In diesem Zeitraum führte der Betrieb nur wenige internationale Aufträge aus, bspw. den Bau einer Munitionsfabrik in Rumänien 1937. Auch auf dem Betriebsgelände kam es zu Veränderungen bedingt durch die Rüstungsproduktion. So errichteten die Ardeltwerke 1937 eine „Marinehalle“ zur Herstellung von Torpedoschussrohren sowie eine Granatenfabrik. Im Auftrag von Heer und Luftwaffe wurden außerdem Zweigwerke in Breslau (1940) und im heutigen Rotava (1941) gebaut. In Breslau beteiligte sich die Firma auch an der Produktion von Raketen. Während des Krieges arbeiteten rund 8.000 Menschen im Eberswalder Werk. Darunter befanden sich ca. 3.000 Zwangsarbeiter, welche in sechs Lagern in unmittelbarer Nähe des Betriebsgeländes untergebracht waren. Außerdem arbeiteten Häftlinge aus einem Außenlager des KZ Ravensbrück am Bahnhof Eisenspalterei unter menschenunwürdigen Bedingungen in den Ardeltwerken (Abb. 10).

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Betrieb des Werkes eingestellt. Die Ardelt-Brüder samt ihren Familien verließen Eberswalde in Richtung Westen. Als die Rote Armee am 24. April 1945 in Eberswalde einmarschierte, fand sie ein weitgehend von Kriegsschäden unversehrtes Werk vor. Nach dem Kriegsende erfolgten die Demontage und Enteignung des Werkes. 1948 begann der Wiederaufbau der Hallen und Produktionsanlagen unter neuen Vorzeichen, anfänglich als „ABUS-Kranbau“ und später als „VEB Kranbau Eberswalde“.

Literatur

Schneller, Sabine u.a.: Die Geschichte der Unternehmen der Kranunion. Leipzig 2013.

Abbildungsnachweis

Abb. 1-7 Schneller, Sabine u.a.: Die Geschichte der Unternehmen der Kranunion. Leipzig 2013.

Abb. 8 https://commons.wikimedia.org/wiki/File:16-05-27-Kranbau_Eberswalde-WP_20160527_001.jpg:16-05-27-Kranbau_Eberswalde-WP_20160527_001.jpg (Foto: Ralf Roletschek – GFDL 1.2).

Abb. 9 https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-L04352,_Deutschland,_R%C3%BCstungsproduktion,_Panzer.jpg (CC-BY-NA 3.0).

Abb. 10 https://commons.wikimedia.org/wiki/File:16-05-27-Kranbau_Eberswalde-WP_20160527_001.jpg (Foto: Ralf Roletschek – GFDL 1.2).

Empfohlene Zitierweise

Bock, Julian-Dakota: Ardeltwerke GmbH, Eberswalde, publiziert am 14.03.2022; in: Industriegeschichte Brandenburgs, URL: http://www.brandenburgikon.de (TT.MM.JJJJ)


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