Linienbandkeramik (5200–5000/4900 v. Chr.)

Günter Wetzel

Gruppen / Kulturen der Jungsteinzeit im Gebiet des heutigen Brandenburg

Frühneolithikum (um 5200–4000/3800 v. Chr.)

-> Friesack-Boberger Gruppe / Kultur

-> Linienbandkeramik

-> Stichbandkeramik / Stichreihenkeramik

-> Rössener Kultur

-> Brześć Kujawski Gruppe / Guhrauer Gruppe

-> Michelsberger Kultur

-> Frühe Trichterbecherkultur

-> Baalberger Kultur

Mittelneolithikum (um 3800/3500–2800 v. Chr.)

-> Nordische Trichterbecherkultur

-> Übergangshorizont

-> Salzmünder Kultur

-> Uckermärkische Gruppe

-> Walternienburger Kultur

-> Altmärkische Tiefstichkeramik

-> Britzer Kultur

-> Waltersdorfer Gruppe

-> Havelländische Kultur

-> Fischbecker Gruppe der -> Schönfelder Kultur

-> Bernburger Kultur

-> Kugelamphorenkultur

Spätneolithikum (um 2800–2200/2000 v. Chr.)

-> Schnurkeramik

-> Einzelgrabkultur

-> Oderschnurkeramik

-> Schönfelder Kultur

-> Ammenslebener Gruppe der -> Schönfelder Kultur

-> Glockenbecherkultur

-> Dolchzeit / Aunjetitzer Kultur

Als älteste Bodenbauer und Viehhalter im heutigen Land Brandenburg, aber auch generell zwischen Elbe und Oder-Neiße, sind Siedler der „zweiten Generation“ der Bandkeramiker nachweisbar. Sie stammten ursprünglich vom Balkan. Bandkeramik wird diese Kulturgruppe nach der bandförmigen Verzierung ihrer Tongefäße genannt. Die ältere Phase ist nach den eingeritzten Linien als Linienbandkeramik gegen die jüngeren Phasen mit eingestochenen Verzierungen abgegrenzt (-> Stichbandkeramik bzw. Stichreihenkeramik). Die Siedler suchten sich aus Mitteldeutschland und Schlesien kommend bevorzugt Regionen mit besseren Böden aus: den Flämingsattel bei Jüterbog (Landkreis Teltow-Fläming) (Eberhardt 2007), das Havelland (Uhl 1983; dies. 2007; Hahn-Weishaupt  2014), die Odertalränder und die Uckermark (Berlekamp 1966; Wullschläger 2007; Cziesla 2010).

Die Bandkeramik und die nachfolgende -> Rössener Kultur werden auch als „donauländische Kulturen“ nach ihrer ursprünglichen Herkunft bezeichnet. Das Verhältnis zwischen einheimischer mesolithischer und zugewanderter linienbandkeramischer Bevölkerung ist nach wie vor ein Forschungsproblem (Gramsch 1971; Cziesla 2010).

Bevorzugte Gefäßform ist der kugelbodige Kumpf (Abb. 1), daneben gibt es große Vorratsgefäße, enghalsige Butten, Schalen und Kultgefäße. Selten sind Standböden. Neben der Linienverzierung mit begleitenden Einstichen hat die Fingerkniffverzierung eine gewisse Bedeutung. Als Handhaben sind Ösenhenkel und Knubben üblich (Abb. 2–4).

Werkzeuge der Bandkeramiker sind Dechsel, auch Flachhacken genannt, gelochte und ungelochte hochgewölbte sogenannte „Schuhleistenkeile“ (alte Benennung nach der Form eines Schuhleistens) aus Felsgestein (Abb. 5). Die Abbaustellen für das Rohmaterial für viele dieser Geräte aus Diabas sind inzwischen bei Jistebsko nahe Jablonec nad Nisou in Tschechien südöstlich Zittau festgestellt worden. Bei Jüterbog wurden Geräte-Halbfabrikate gefunden, die eine Endherstellung aus zugeschlagenen und trenngeschliffenen Platten vor Ort nachweisen (Abb. 6). Feuersteingeräte wie Bohrer, Schaber und Klingenkratzer sind üblich, Klingen als Einsätze für eine hölzerne Sichel, erkennbar am „Sichelglanz“, einer lackartigen Politur an Schneidekanten von häufig benutzten Geräten, mit denen kieselsäurehaltige Pflanzen wie Getreide, Gräser oder Schilf geschnitten werden, typisch. Feuersteinpfeilspitzen sind selten. Feuersteinbeile wurden nicht oder konnten noch nicht hergestellt werden.

Die Siedler waren in kleinen Weilern mit einigen großen Häusern ansässig. Erste Hausgrundrisse im Land Brandenburg wurden bei Jüterbog aus der Luft durch Otto Braasch 1994 entdeckt (Abb. 7). Im Zuge von Ausgrabungen konnte bei Bredow 2 (Landkreis Havelland) inzwischen ein Hausgrundriss annähernd freigelegt werden (Abb. 8). Bei  Dennewitz (Landkreis Teltow-Fläming) wurden geomagnetisch über 40 Hausgrundrisse nachgewiesen, deren Zeitgleichheit aber nicht feststeht (Mischka/Wetzel 2015; Mischka/Mischka/Wetzel 2016) (Abb. 9, 10). Diese sind wie üblich meist NNW-SSO ausgerichtet und bis zu 30m lang.

Zur Wirtschaft gibt es bisher nur wenige Untersuchungen am reichen Material. Anhand von Knochenresten aus einer linienbandkeramischen Siedlung bei Lietzow 10 (Landkreis Havelland) (Hahn-Weishaupt 2014) wurden neben etwa 12 Prozent Haustierknochen von Rind, Schwein, Schaf und/oder Ziege, Wildtierknochen von Wildschwein, Rothirsch, Reh, Fuchs, Dachs, Marder, Hase, Vogelknochen von Stockente, Turmfalke, Wachtel, Waldkauz und Fischreste von Schleien, Brachsen/Bleie, Plötzen, Karauschen, Hechten, Flussbarsch, Aal, Wels und solche von der Sumpfschildkröte bestimmt (Benecke/Jahns 2018). Sie zeigen, dass auch bei den frühen Bauern die Jagd noch eine bedeutende Rolle für die Ernährung und Lebensfürsorge (Leder, Pelze) spielen konnte.

Grabfunde sind zwischen Elbe und Oder noch nicht gesichert (Cziesla 2010).

Literatur

Benecke, Norbert / Hanik, Susanne: Schleie, Bleie und Karauschen. Tierknochen aus der linearbandkeramischen Siedlung Lietzow 10, Lkr. Havelland. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg 2016. Darmstadt 2018, S. 34–36.

Berlekamp, Hansdieter: Die Einflüsse des donauländischen Kulturkreises der jüngeren Steinzeit auf das Odermündungsgebiet. Ungedr. Phil. Diss. Halle 1966.

Cziesla, Erwin: Bandkeramik zwischen Elbe und Oder. In: Germania 86 (2008/2010), S. 405–464.

Eberhardt, Gisela: Zur Neolithisierung einer brandenburgischen Kleinregion. In: Archäoprognose Brandenburg II. (= Forschungen zur Archäologie im Land Brandenburg 10). Wünsdorf 2007, S. 9–110.

Fischer, Ulrich: Die Gräber der Steinzeit im Saalegebiet (= Vorgeschichtliche Forschungen, 15). Berlin 1956.

Gramsch, Bernhard: Zum Problem des Übergangs vom Mesolithikum zum Neolithikum im Flachland zwischen Elbe und Oder. In: Schlette, Friedrich (Hrsg.): Evolution und Revolution im Alten Orient und Europa. Berlin 1971, S. 127–144.

Hahn-Weishaupt, Andrea: Bauern, Jäger oder beides. Siedlung der Linienbandkeramik in Lietzow, Lkr. Havelland. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg 2012. Darmstadt 2014, S. 25–29.

Mischka, Carsten / Wetzel, Richard: Die ersten Bauern im Fläming. Geomagnetische Prospektion von linearbandkeramischen Siedlungen bei Jüterbog, Lkr. Teltow-Fläming. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg 2013. Darmstadt 2015, S. 48–52.

Mischka, Carsten u. Doris / Wetzel, Richard: Abseitige Bandkeramik? In: Kerig, Tim / Nowak, Kathrin / Roth, Georg (Hrsg.): Alles was zählt ... Festschrift für Andreas Zimmermann (= Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie, 285). Bonn 2016, S. 129–142.

Uhl, Ursula: Neuland unterm Pflug. Ein Langhaus der Linienbandkeramik bei Bredow, Lkr. Havelland. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg 2006. Stuttgart 2007, S. 27–29.

Wullschläger, Ines: Die linienbandkeramische Siedlung Prenzlau 95 unter besonderer Berücksichtigung der Keramik. Ungedr. Mag. Artium, Humboldt-Univ. Berlin 2007.

Abbildungsnachweis

Abb. 1 BLDAM, Foto D. Sommer.

Abb. 2 Nach Wullschläger 2007.

Abb. 3 Nach Wullschläger 2007.

Abb. 4 Nach Hahn-Weishaupt 2014, Abb. 13.

Abb. 5 Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte;  Foto D. Sommer, BLDAM.

Abb. 6 BLDAM, Ausstellung des Archäologischen Landesmuseums im Paulikloster in Brandenburg/H., Foto G. Wetzel

Abb. 7 BLDAM, Foto O. Braasch.

Abb. 8 Nach Uhl 2007, Abb. 17), Foto B. Govedarica.

Abb. 9 Nach Mischka/Mischka/Wetzel 2016, Abb. 5.

Abb. 10 Nach Mischka/Mischka/Wetzel 2016, Abb. 4.

Empfohlene Zitierweise

Wetzel, Günter: Linienbandkeramik (5200–5000/4900 v. Chr.), publiziert am 06.03.2019; in: Historisches Lexikon Brandenburgs, URL: http://www.brandenburgikon.de (TT.MM.JJJJ)

Kategorien

Epochen: Frühzeit
Themen: Archäologie und Siedlung 


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