Stichbandkeramik / Stichreihenkeramik (4900/4800–4700/4500 v. Chr.)

Günter Wetzel

Gruppen / Kulturen der Jungsteinzeit im Gebiet des heutigen Brandenburg

Frühneolithikum (um 5200–4000/3800 v. Chr.)

-> Friesack-Boberger Gruppe / Kultur

-> Linienbandkeramik

-> Stichbandkeramik / Stichreihenkeramik

-> Rössener Kultur

-> Brześć Kujawski Gruppe / Guhrauer Gruppe

-> Michelsberger Kultur

-> Frühe Trichterbecherkultur

-> Baalberger Kultur

Mittelneolithikum (um 3800/3500–2800 v. Chr.)

-> Nordische Trichterbecherkultur

-> Übergangshorizont

-> Salzmünder Kultur

-> Uckermärkische Gruppe

-> Walternienburger Kultur

-> Altmärkische Tiefstichkeramik

-> Britzer Kultur

-> Waltersdorfer Gruppe

-> Havelländische Kultur

-> Fischbecker Gruppe der -> Schönfelder Kultur

-> Bernburger Kultur

-> Kugelamphorenkultur

Spätneolithikum (um 2800–2200/2000 v. Chr.)

-> Schnurkeramik

-> Einzelgrabkultur

-> Oderschnurkeramik

-> Schönfelder Kultur

-> Ammenslebener Gruppe der -> Schönfelder Kultur

-> Glockenbecherkultur

-> Dolchzeit / Aunjetitzer Kultur

 

Eine jüngere Phase der Bandkeramik ist nach der vorwiegend durch verschiedene Stichbändermuster verzierten Keramik als Stichbandkeramik (mitteldeutschen Gepräges; Kaufmann 1976) oder Stichreihenkeramik (östlichen Gepräges; Kulczycka-Leciejewiczowa 1979) benannt. Wie die -> Linienbandkeramik sowie die nachfolgende -> Rössener Kultur wird auch die Stichband-/Stichreihenkeramik als „donauländische Kultur“ nach der ursprünglichen Herkunft der Siedler bezeichnet.

Neben Becherformen kommen Schalen mit Kalottenboden, Fußschalen, Tonwannen und große Töpfe mit S-Profil und Wulstleiste vor (Abb. 1–2). Es gibt bei der Keramik viel Verbindendes mit der Brześć Kujawski-Gruppe. Von Hohenbrück 3 (Landkreis Dahme-Spreewald) stammt eine reichverzierte Scherbe (Abb. 3), die mit  Sicherheit zu einem Tiergefäß oder einer sogenannten „Vase vom Typ Bschanz“, nach einem schlesischen Fundort, gehört (Abb. 4). Werkzeuge der Stichbandkeramiker sind Dechsel, gelochte und ungelochte hochgewölbte sogenannte „Schuhleistenkeile“ (alte Benennung nach der Form eines Schuhleistens) aus Felsgestein. Das Rohmaterial für viele dieser Geräte aus Diabas wurde bei Jistebsko nahe Jablonec nad Nisou in Tschechien, südöstlich Zittau, abgebaut. Feuersteingeräte wie Bohrer, Schaber und Klingenkratzer sind üblich, Klingen mit „Sichelglanz“ - einer lackartigen Politur an Schneidekanten von häufig benutzten Geräten, mit denen kieselsäurehaltige Pflanzen wie Getreide, Gräser oder Schilf geschnitten werden - als Einsätze für eine hölzerne Sichel typisch. Feuersteinbeile wurden offenbar nicht hergestellt.

Zur Wirtschaft gibt es noch wenig Anhaltspunkte. Anhand von Befunden in Nachbargebieten kann man davon ausgehen, dass sie sich nicht wesentlich von der Linienbandkeramik unterschied. Die Hausgrundrisse sind gegenüber der Linienbandkeramik kleiner. Funde dieser Gruppe sind nicht so häufig, dafür aber flächendeckender verbreitet als die der Linienbandkeramik (Kirsch 1994, 13ff.; Cziesla 2010). Die bisherigen Siedlungsgebiete auf dem Flämingsattel bei Jüterbog (Landkreis Teltow-Fläming), im Havelland, in der Uckermark und am Odertalrand sowie im Luckauer Becken werden weiterhin genutzt.

Bei Bochow (Landkreis Teltow-Fläming) südlich von Jüterbog wurde eine Doppelkreisgrabenanlage durch die Luftbildprospektion entdeckt, die einen Kultmittelpunkt dieser Zeit markiert, der so nur in einem Siedlungszentrum denkbar und für das Land Brandenburg bisher ohne Parallele ist (Meyer 2012) (Abb. 5). Nördlich dieser Anlage (oben) sind im Luftbild zwei versetzte Hausgrundrisse an den wandbegleitenden Parallelgräben zu erkennen.

Wenige Grabfunde können durch Gefäßfunde erschlossen werden (Zöllmersdorf / Landkreis Dahme-Spreewald: Marschalleck 1944) (Abb. 6).

Literatur

Cziesla, Erwin: Bandkeramik zwischen Elbe und Oder. In: Germania 86 (2008/2010), S. 405–464.

Kaufmann, Dieter: Wirtschaft und Kultur der Stichbandkeramiker im Saalegebiet (= Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle, 30). Berlin 1976.

Kirsch, Eberhard: Beiträge zur älteren Trichterbecherkultur in Brandenburg (= Forschungen zur Archäologie im Land Brandenburg, 2). Potsdam 1994.  

Kulczycka-Leciejewiczowa, Anna: Pierwsze społeczenstwa rolnicze na ziemach polskich. Kultury kręgu naddunajskiego. In: Hensel, Witold/ Wiślański, Tadeusz (Red.): Prahistoria ziem Polskich II. Neolit. Wrocław/Warszawa/Kraków/Gdańsk 1979, S. 19–164.

Marschalleck, Karl Heinz: Die Urgeschichte des Kreises Luckau (Niederlausitz). Kirchhain-N.-L. 1944.

Meyer, Michael: Die Nordperipherie – mittelneolithische Kreisgrabenanlagen in Brandenburg. In: Bertemes, Francois / Meller, Harald (Hrsg.): Neolithische Kreisgrabenanlagen in Europa. Internationale Arbeitstagung vom 7.–9. Mai 2004 in Goseck. Halle 2012, 145–161.

Wetzel, Günter / Beran, Jonas: Die ersten Bauern. In: Schopper, Franz/ Dähnert, Detlev (Hrsg.): Archäologie in der Niederlausitz. Cottbus 2012.

Wetzel, Günter: Die Brześć Kujawski-Gruppe in Brandenburg und der Lausitz. Zur Frage einer Guhrauer Gruppe. In: Einsichten. Archäologische Beiträge für den Süden des Landes Brandenburg 2010/2011 (= Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg, 24). Wünsdorf 2013, S. 89–129.

Abbildungsnachweis

Abb. 1 BLDAM, Vorlage G. Wetzel, nach verschiedenen Autoren.

Abb. 2 BLDAM, Vorlage G. Wetzel.

Abb. 3 BLDAM, Foto G. Wetzel (nach Wetzel 2014, Abb. 13).

Abb. 4 Vorlage G. Wetzel n. verschiedenen Autoren.

Abb. 5 BLDAM, Luftbild O. Braasch.

Abb. 6 Museum Luckau, Foto E. Bönisch (nach Wetzel / Beran 2012, Abb. 89).

Empfohlene Zitierweise

Wetzel, Günter: Stichbandkeramik/Stichreihenkeramik (4900/4800–4700/4500 v. Chr.), publiziert am 06.03.2019; in: Historisches Lexikon Brandenburgs, URL: http://www.brandenburgikon.de (TT.MM.JJJJ)

Kategorien

Epochen: Frühzeit
Themen: Archäologie und Siedlung 


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