Oderschnurkeramik (2300–2100/2000 v. Chr.)

Günter Wetzel

Gruppen / Kulturen der Jungsteinzeit im Gebiet des heutigen Brandenburg

Frühneolithikum (um 5200–4000/3800 v. Chr.)

-> Friesack-Boberger Gruppe / Kultur

-> Linienbandkeramik

-> Stichbandkeramik / Stichreihenkeramik

-> Rössener Kultur

-> Brześć Kujawski Gruppe / Guhrauer Gruppe

-> Michelsberger Kultur

-> Frühe Trichterbecherkultur

-> Baalberger Kultur

Mittelneolithikum (um 3800/3500–2800 v. Chr.)

-> Nordische Trichterbecherkultur

-> Übergangshorizont

-> Salzmünder Kultur

-> Uckermärkische Gruppe

-> Walternienburger Kultur

-> Altmärkische Tiefstichkeramik

-> Britzer Kultur

-> Waltersdorfer Gruppe

-> Havelländische Kultur

-> Fischbecker Gruppe der -> Schönfelder Kultur

-> Bernburger Kultur

-> Kugelamphorenkultur

Spätneolithikum (um 2800–2200/2000 v. Chr.)

-> Schnurkeramik

-> Einzelgrabkultur

-> Oderschnurkeramik

-> Schönfelder Kultur

-> Ammenslebener Gruppe der -> Schönfelder Kultur

-> Glockenbecherkultur

-> Dolchzeit / Aunjetitzer Kultur

 

Nach der Hauptverbreitung im unteren Odergebiet, vorwiegend in der Uckermark und im östlich benachbarten Pyritzer Weizacker, ist eine eng mit der -> Schnurkeramik bzw. -> Einzelgrabkultur verbundene eigenständige Gruppe benannt, die Oderschnurkeramik (Sprockhoff 1926; Schroeder 1951). Sie kommt bis in den Potsdam-Berliner Raum vor (Beran 2012; Seyer 1971). Üblich und dominant waren als Keramikformen die Becher, daneben kommen Tassen (Abb. 1–2) und Schalen, auch Füßchenschalen, und Ösentöpfe vor (Abb. 3). Die älteste Phase in diesem Raum wird von Tonware und Axttypen der frühen Einzelgrabkultur bzw. Schnurkeramik repräsentiert, von Schroeder (1951) „Vor- oder Frühstufe“ genannt (Abb. 2). Schroeder (1951) postulierte dann eine Hochstufe, die meist ein gerahmtes mehrzeiliges Sparrenband gurtartig ziert, das mit Schnur oder Stempel eingedrückt oder eingeritzt sein kann (Abb. 1, 4–5). Hinzu kommen Zapfen oder Knubben unterschiedlicher Machart und Henkel. In der Spätstufe (Abb. 3) ist die Keramik weitgehend unverziert und leitet damit über zur -> dolchzeitlichen oder frühbronzezeitlichen Tonware (Rassmann 1993; ders. 2001). Die Stufen überschneiden sich natürlich, sie lösen sich allmählich ab.

Als typische Waffe ist zunächst die Einzelgrabaxt zu nennen. Besonders zahlreich kommt neben den in der Einzelgrabkultur üblichen älteren Typen die junge Variante der K-Axt vor, wegen ihrer schlanken und prägnanten Ausprägung früher auch als uckermärkischer oder Angermünder Typ bezeichnet (Schroeder 1951) (Abb. 4). Keulenköpfe spielten wohl keine Rolle. Zu den Waffen gehören auch Klingendolche und dreieckige, beidseitig flächig retuschierte Dolchstabklingen (Schroeder 1951; Raddatz 2004). Als Waffen zur Jagd und im Kampf konnten auch dreieckige, lanzettförmige oder Schaftzungenpfeilspitzen Verwendung finden. Neben schlichten Felsbeilen existieren dicknackige, dünnblattige überschliffene Feuersteinbeile, auch als Dechsel geformt. Große Bernsteinperlen, wie sie auch für die frühe Bronzezeit typisch sind, kommen wohl auch in der Oderschnurkeramik vor.

Zum Siedlungswesen ist kaum etwas bekannt (Raddatz 2004); von Herzsprung bei Angermünde (Landkreis Uckermark) soll ein kleiner rechteckiger Hausgrundriss vorliegen (Leube/Schuster 2002). Die Masse der Funde stammt aus Körpergräbern (Schroeder 1951; Kaufmann 1968; Wetzel 1968; Jacobs 1991), vorwiegend aus der Uckermark (Abb. 1, 3, 4). Es sind einzelne Bestattungen, aber auch kleine Grabgruppen bekannt (Meyenburg, Felchow, Hammelstall, Melzow, Pinnow / alle Landkreis Uckermark; Liepe / Landkreis Barnim u. a.) (Abb. 6). Steinpackung wurde häufig vorgefunden, Steinkisten sind nicht unüblich (Schroeder 1951) (Abb. 7). Sowohl gestreckte als auch Hockerbestattungen sind nachgewiesen, eine Regelhaftigkeit nach der Geschlechtszugehörigkeit konnte noch nicht erarbeitet werden. Die Nord-Süd-Ausrichtung herrscht vor. Auch Mehrfachbestattungen sind nachgewiesen. In Berlin-Köpenick wurde eine Brandbestattung entdeckt (Seyer 1971) (Abb. 8). Raddatz (2004) fasste jüngst die wenigen Befunde, zugleich mit einer Vorlage von unbekannten Altfunden, zusammen.

Literatur

Geisler, Horst: Jungsteinzeitliche Funde vom Eichberg bei Schönermark, Kr. Angermünde. In: Ausgrabungen und Funde 8 (1963), S. 125–129.

Geisler, Horst: Die Ausgrabungen auf dem Eichberg bei Schönermark, Kr. Angermünde, 1963 und 1964. In: Ausgrabungen und Funde 10 (1965), S. 121–123.

Jacobs, Jörn: Die Einzelgrabkultur in Mecklenburg-Vorpommern. Lübstorf 1991.

Kaufmann, Dieter: Keramische Funde der Einzelgrabkultur bzw. Oderschnurkeramik in den mecklenburgischen Bezirken. In: Behrens, Hermann / Schlette, Friedrich (Hrsg.): Die neolithischen Becherkulturen im Gebiet der DDR und ihre europäischen Beziehungen. Berlin 1969, S. 115–123.

Kiekebusch, Albert: Ein Blockkammerfriedhof bei Wollschow (Uckermark). In: Mainzer Zeitschrift 26 (1931), S. 43–46.

Raddatz, Klaus: Anmerkungen zur Oderschnurkeramik. In: Veröffentlichungen zur brandenburgischen Landesarchäologie 35 (2001), S. 7–35.

Rassmann, Knut: Spätneolithikum und frühe Bronzezeit im Flachland zwischen Elbe und Oder. (= Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns, 28). Lübstorf 1993.

Rassmann, Knut: Zur absoluten Chronologie des ausgehenden Neolithikums im nördlichen Mitteleuropa und Südskandinavien. In: Czebreszuk, Janusz / Müller, Johannes (Hrsg.): Die absolute Chronologie in Mitteleuropa 3000–2000 v. Chr. Poznan/Bamberg/Rahden 2001, S. 271–285.

Schroeder, Roland: Die Nordgruppe der Oderschnurkeramik (= Vorgeschichtliche Forschungen, 14). Berlin 1951.

Schuldt, Ewald: Die Nekropole von Wollschow, Kreis Pasewalk, und das Problem der neolithischen Steinkisten in Mecklenburg. In: Jahrbuch für Bodendenkmalpflege Mecklenburg 1974 (1975), S. 77–144.

Schumann, Hugo: Die Steinzeitgräber der Uckermark. Prenzlau 1904.

Seyer, Heinz: Ein Brandgrab der Oderschnurkeramik von Berlin-Köpenick. In: Ausgrabungen und Funde 16 (1971), S. 132–134.

Sprockhoff, Ernst: Die Kulturen der Jüngeren Steinzeit in der Mark Brandenburg (= Vorgeschichtliche Forschungen, 4). Berlin 1926.

Struve, Karl Wilhelm: Die Einzelgrabkultur in Schleswig-Holstein und ihre kontinentalen Beziehungen. Neumünster 1955.

Wetzel, Günter: Oderschnurkeramik und Einzelgrabkultur in Brandenburg. In: Behrens, Hermann / Schlette, Friedrich (Hrsg.): Die neolithischen Becherkulturen im Gebiet der DDR und ihre europäischen Beziehungen. Berlin 1969, S. 101-113.

Abbildungsnachweis

Abb. 1 Nach Wetzel 1969, Abb. 2.

Abb. 2 BLDAM, Foto D. Sommer.

Abb. 3 Nach Wetzel 1969, Abb. 3, nach Schroeder 1951.

Abb. 4 Nach Raddatz 2001, Abb. 1.

Abb. 5 Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte;  Foto: BLDAM, D. Sommer A 06-826-21.

Abb. 6 Nach Wetzel 1969, Abb. 4.

Abb. 7 Nach Wetzel 1969, Abb. 5.

Abb. 8 Nach Seyer 1971, Abb. 1.

Empfohlene Zitierweise

Wetzel, Günter: Oderschnurkeramik (2300–2100/2000 v. Chr.), publiziert am 02.05.2019; in: Historisches Lexikon Brandenburgs, URL: http://www.brandenburgikon.de (TT.MM.JJJJ)

Kategorien

Epochen: Frühzeit
Themen: Archäologie und Siedlung 


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